28. August 2019

Digitale Transformation im Mittelstand:
Hürden und Herausforderungen

Das Vorantreiben der Digitalisierung im Mittelstand spielt eine zentrale Rolle für die künftige Wettbewerbsfähigkeit, für Wachstum und Wohlstand in Deutschland. Digitalisierung lässt sich als die Durchführung von Projekten zum erstmaligen oder verbesserten Einsatz digitaler Technologien in Prozessen, Produkten und Dienstleistungen eines Unternehmens beschreiben. Dazu zählen neben dem Kontakt zu Kunden und Lieferanten sowie Maßnahmen zum Aufbau entsprechender Kompetenzen im Unternehmen auch die Implementierung von neuen digitalen Marketing- und Vertriebskonzepten.

Die größten Hürden bei der Digitalen Transformation

Digitalisierung ist kein neues Phänomen für den Mittelstand. Jedoch lag der Fokus in Unternehmen bislang überwiegend beim Aufbau einheitlicher IT- und Kommunikationssysteme, um die Internationalisierung mit weltweiten Produktions- und Vertriebsstandorten zu unterstützen. Digitale Transformation konzentriert sich hingegen sehr viel stärker auf die langfristige Etablierung zukunftsfähiger Prozesse, die Entwicklung smarter Produkte und Dienstleistungen sowie den Aufbau neuer Geschäftsmodelle. Hierfür hat Deutschland den ambitionierten Begriff „Industrie 4.0“ ins Leben gerufen, der die konsequente unternehmerische Nutzung aller Möglichkeiten beschreibt, die eine digital vernetzte Welt potenziell bietet.

Dabei sind die größten Hürden bei der Digitalen Transformation für Unternehmen:

  • unzureichende IT-Kompetenzen (technisch und personell)
  • ungelöste Fragen der Datensicherheit und des Datenschutzes
  • Probleme bei der organisatorischen Anpassung von Prozessen
  • eine mangelnde Breitbandanbindung an das Internet

Hinzu kommen vielfältige Herausforderungen auf unterschiedlichen Ebenen, die mit einer Digitalen Transformation einhergehen. Vor allem disruptive Veränderungen wirken sich dauerhaft auf die Kundenbedürfnisse, Wettbewerber und Mitarbeiter aus.

Dazu zählt der aktuelle Stand der IT-Infrastruktur, die Auskunft darüber gibt, wie es um die Datenqualität bzw. das Datenmanagement in Unternehmen bestellt ist, was wiederum den zukünftigen Wert eines Unternehmens bestimmt.

Ein weiterer Faktor sind die dynamischen Kundenbedürfnisse, die zu veränderten Wertschöpfungsketten in der Produktion sowie einem Bedürfniswandel im Konsumgüterbereich führen. Ein Beispiel für Letzteres sind zum Beispiel Sharing-Alternativen im Bereich der Mobilität.

Schnelle Wettbewerber, mangelhafte Vorbereitung

Desweiteren drängen immer neue Wettbewerber in etablierte Märkte vor, die rein digital aufgestellt sind und mit ihren Plattformstrategien den direkten, informationellen Kundenzugang mittelständischer Unternehmen bedrohen.

Darüber hinaus sind die Mitarbeiter in mittelständischen Betrieben oftmals nur eingeschränkt vorbereitet auf die Herausforderungen der Digitalen Transformation. Es fehlt am notwendigen Know-how, um die neuen digitalen Möglichkeiten zur Optimierung der Geschäftsprozesse intelligent ins Unternehmen zu integrieren. Dazu bedarf es kompetenter Digitalisierungsfachkräfte sowie maßgeschneiderter IT-Lösungen für ein effizientes Informationsmanagement.

Im Gegensatz zu traditionellen IT-Projekten ist jedoch die Digitale Transformation ein kontinuierlicher Wandlungsprozess, der nicht nur den IT-Bereich betrifft, sondern letztlich alle Abteilungen und Mitarbeiter in einem Unternehmen. Dieser Wandel ist gerade für mittelständische Firmen eine Herausforderung, da diese häufig noch von unflexiblen Strukturen und starken Führungspersönlichkeiten aus Eigentümerfamilien geprägt sind.

So hat laut dem KfW-Digitalisierungsbericht Mittelstand 2018 in den vergangenen drei Jahren nur jedes vierte kleine oder mittlere Unternehmen in den Einsatz digitaler Technologien investiert.

Statistik Digitalisierungsvorhaben in Unternehmen

Größere Ausgaben, mehr Projekte, aber kein strategisches Vorgehen

Mittelständische Unternehmen stecken weiterhin den Löwenanteil (169 Milliarden Euro pro Jahr) in neue Maschinen, Gebäude und Einrichtungen. Auf Digitalisierungsvorhaben entfallen gerade mal 14 Milliarden Euro, die häufig auch nur auf die Möglichkeit von Effizienzgewinnen reduziert werden. Dabei müsste der Fokus im Mittelstand viel stärker auf der Etablierung neuer Geschäftsmodelle sowie Dienstleistungen und Produkte liegen. Das erfordert weitaus mehr Investitionsbereitschaft als bislang, um die Chancen der Digitalisierung voll auszuschöpfen. Und dazu benötigen mittelständische Unternehmen in erster Linie geeignete Mitarbeiter.

Hinsichtlich der Digitalisierungsvorhaben im Mittelstand liefert die Kfw-Studie folgende zentrale Ergebnisse:

  • Parallel zum steigenden Anteil der Unternehmen mit Digitalisierungsvorhaben wächst auch das kumulierte Volumen der Digitalisierungsausgaben im Mittelstand (rund 15 Milliarden Euro). Dieser Betrag liegt jedoch noch deutlich unter den Ausgabenkategorien für z. B. Innovationen oder Investitionen.
  • Digitalisierungsprojekte zur Kommunikation mit dem Unternehmensumfeld sowie die Erneuerung von IT-Strukturen und der Einsatz neuer Anwendungen machen den überwiegenden Anteil aus.
  • Dahinter rangiert der Aufbau von Know-how hinsichtlich digitaler Technologien und Anwendungen. Diese Vorgaben werden auch von Unternehmen vorangetrieben, die nicht zu den klassischen Vorreitern der Digitalisierung zählen, wie kleine und regional agierende Unternehmen sowie Mittelständler ohne eigene Forschungs- & Entwicklungsabteilung.
  • Dagegen werden die Entwicklung und Einführung neuer oder verbesserter digitaler Produkte und Dienstleistungen am seltensten genannt.
  • Insgesamt konzentrieren sich die Digitalisierungsanstrengungen damit nach wie vor auf die Erzielung von Effizienzgewinnen und weniger darauf, neue Kundengruppen und Geschäftsmodelle zu erschließen.

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