31. März 2021

Digitalisierung und Klimaschutz: wie Technologien helfen können

Am 9. Oktober 2019 beschloss das Bundeskabinett ein neues Klimaschutzprogramm. Das Ziel des Programms: Bis 2030 will Deutschland 55 % der Treibhausgase im Vergleich zum Jahr 1990 einsparen. Wieviel die Digitalisierung zum Klimaschutz beiträgt, war lange umstritten. Eine aktuelle Bitkom-Studie zu den „Klimaeffekten der Digitalisierung“ bringt nun Licht ins Dunkel – und kommt zu überraschend positiven Ergebnissen. Wie wirkt sich die Digitalisierung auf das Klima bzw. den Klimaschutz aus?

Digitalbranche als CO2e-Treiber?

Erst 2019 schockte der französische Think-Tank „The Shift Project“ mit einer neuen Studie die Öffentlichkeit. Demnach erzeuge die Digitalbranche derzeit schon ungefähr doppelt so hohe CO2e-Emissionen (gemeint ist die sog. Kohlenstoffdioxidäquivalente) wie der gesamte internationale Flugverkehr (vor Corona-Zeiten). Insgesamt ließen sich vier Prozent des weltweiten Ausstoßes auf die Folgen der Digitalisierung zurückführen. Ein zentraler Aspekt sei vor allem der riesige Energiebedarf der Rechenzentren. Nach Statista-Angaben beträgt das weltweite Volumen der gespeicherten Datenmenge mehr als 1.300 Exabayte. Als weitere Faktoren zählen die Herstellung und der Betrieb von Endgeräten wie Computern, Monitoren und Tablets sowie der Ausbau der Netzinfrastruktur. Insgesamt rechnen Experten mit einem, durch die Digitalisierung hervorgerufenen, Ausstoß von jährlich 16 bis 22 Megatonnen CO2e. Das ist viel. Doch so einfach geht die Rechnung nicht auf, wie der Digitalverband Bitkom in einer aktuellen Untersuchung aufzeigt.

Bitkom-Studie: Positive Klimabilanz durch Digitalisierung

Denn jenseits des digitalen CO2e-Fußabdrucks befördert die Digitalisierung erhebliche Effekte, die sich positiv auf die Klimabilanz auswirken. In den politischen Maßnahmenpaketen werden diese jedoch zu wenig berücksichtigt, heißt es in der Analyse. Dabei sei es ein wichtiges und vor allem klimawirksames Ziel, so der Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder, den „beschleunigten Umbau unserer Wirtschaft hin zu einer digitalen Ökonomie“ entscheidend voranzutreiben. In der Studie „Klimaeffekte der Digitalisierung“, die in Zusammenarbeit mit Experten von der Unternehmens- und Strategieberatung accenture erstellt wurde, lässt sich nachlesen, was das konkret bedeutet.

Demnach können digitale Technologie im Falle einer beschleunigten Digitalisierung bis zu 58 % zur Erreichung des Klimaziels 2030 beitragen. Abzüglich des bereits erwähnten CO2e-Fußabdrucks beläuft sich das Netto-Einsparpotenzial digitaler Technologien auf bis zu 49 % der im Jahr 2030 notwendigen Emissionseinsparungen – sofern die Digitalisierung in rasantem Tempo voranschreitet.

Klimaschutz und Digitalisierung: drei Beispiele

Insgesamt klassifiziert die Studie sieben Anwendungsbereiche, an denen modellartig das jeweilige Einsparpotenzial aufgezeigt wird. Drei Beispiele:

Energie:
Rund um die Elektrizitätsversorgung der Zukunft gehören intelligente Stromnetze zu den vielversprechendsten Lösungen in der Energiebranche – sogenannte Smart Grids. Sie liefern zum einen Strom und zum anderen Daten, die zwischen Energieerzeuger, Energiespeicher und Energieverbraucher kommunizieren. Die daraus resultierenden Informationen ermöglichen eine effizientere Steuerung der Netzauslastung, die sich dank der entsprechenden Messsysteme an tatsächlichen Verbrauchswerten orientiert. Überschüssiger Strom lässt sich somit besser einsparen, Privathaushalte haben eine bessere Einsicht in ihren tatsächlichen Stromverbrauch. Einsparpotenzial: 23 Megatonnen CO2e.

Arbeit und Business:
Ohne Zweifel hat Corona der Digitalisierung im Arbeitsleben einen enormen Schub verliehen. Immer mehr Unternehmen bieten inzwischen Homeoffice an – oft weniger aus Einsicht in die Flexibilität mobiler Arbeitsmöglichkeiten als vielmehr aufgrund wirtschaftlicher Notwendigkeit in den aktuellen Pandemie-Zeiten. Doch der Effekt ist unbestritten: Wenn Beschäftigte dank Videokonferenzen auf Geschäftsreisen verzichten und Büroräume einsparen, lassen sich in den nächsten neun Jahren bis zu 12 Megatonnen CO2e einsparen, so das Ergebnis der Bitkom-Untersuchung.

Industrielle Fertigung:
Unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ ist das produzierende Gewerbe auf dem Weg in die sogenannte „vierte industrielle Revolution“, in der sich Maschinen und die von ihnen produzierten Güter in einer volldigitalisierten Welt bewegen. Inzwischen ist die Smart Factory längst nicht nur ein theoretisches Konstrukt, sondern Realität. So setzen viele Industriezweige auf computerbasierte 3D-Modelle, Roboter- sowie digitale Assistenzsysteme, um vollständige Produktionsketten abzubilden und zu automatisieren. Anlagen und Maschinen sind miteinander über Cloudspeicher vernetzt, Künstliche Intelligenz hilft bei der optimierten Material- und Ressourcenplanung. Prognosen zufolge sind bis 2030 Einsparungen von 61 Megatonnen CO2e möglich.

Mehr Digitalisierung, mehr Einsparpotenzial

Insgesamt zeigt sich: Die größten Einsparpotenziale sind in den Anwendungsbereichen Fertigung, Mobilität und Energie zu finden, dahinter folgen Gebäude, Arbeit & Business, Landwirtschaft und Gesundheit. In der Bilanz sind es bis zu 120 Megatonnen CO2e Netto-Einsparpotenzial. Abzüglich des ökologischen Fußabdrucks macht das immerhin fast die Hälfte der angestrebten Klimaziele aus. Die Förderung digitaler Technologien ist somit ein wesentlicher Faktor im Kampf gegen den Klimawandel, wie die Bitkom-Studie belegt.

Das Klimaziel 2020 hat Deutschland im Übrigen problemlos übertroffen – dies ist allerdings weniger ein Beleg für den massiven Ausbau einer digitalen Infrastruktur seitens der Bundesregierung, sondern eher begründet in der Corona-bedingten Reduzierung des weltweiten Auto-, Güter- und Flugverkehrs. Langfristig sollte sich niemand auf den Corona-Effekt verlassen.

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