4. März 2021

Studien zu Corona und Homeoffice: Ist das wirklich die Revolution?

Seit rund einem Jahr schicken Unternehmen und Verwaltungen ihre Angestellten ins Homeoffice – sofern sie es können (und wollen). Was anfangs nach dem längst überfälligen Umbruch in der digitalen Arbeitswelt aussah, zeigt sich Anfang 2021 als ambivalente Situation: Zum einen ermöglichen längst nicht alle Arbeitgeber das mobile Arbeiten; zum anderen entdecken gerade jene, die die letzten zwölf Monate daheim am Küchen- oder Büro-Schreibtisch zwischen Kindern, Haustieren und (ebenfalls arbeitenden) Partnern verbracht haben, das Büro für sich: endlich mal wieder in Ruhe arbeiten und normal Feierabend machen!

Wo stehen wir also in puncto Arbeitskultur: mitten in der Revolution? Oder am Ende einer digitalen Versuchsanordnung?

Homeoffice: eine große Chance

Es steht außer Frage: Die aktuelle Situation hat viele Unternehmen zu einem Umdenken in der eher zögerlichen Homeoffice-Praxis bewegt. Laut Bitkom arbeitet mittlerweile jeder vierte Deutsche ausschließlich zu Hause. Das entspricht 10,5 Mio. Arbeitnehmern. Weitere 20 Prozent (8,3 Mio.) machen dies zumindest teilweise.

Damit lässt sich bereits jetzt eine Zwischenbilanz ziehen: Durch die Auswirkungen auf die Arbeitskultur beschleunigt Corona die digitale Transformation. Zu diesem Schluss kommt auch ING-Bank-Chefvolkswirt Carsten Brzeski im Podcast-Gespräch mit OPTIMAL SYSTEMS: Deutschland nimmt Fahrt auf. Spät, aber immerhin. Damit steht die Erwartung im Raum, dass sich Homeoffice auch in Zukunft als hybrides Arbeitsmodell etablieren wird. Glaubt man den Zahlen von Bitkom, dürfen Führungskräfte ihren Mitarbeitern hier durchaus vertrauen: Die Arbeitsleistung sinkt nicht. Die Arbeitsqualität und Produktivität bleiben insgesamt auf ähnlichem Niveau. Es gibt zudem positive Erfahrungen im privaten Bereich: Arbeitnehmer ernähren sich gesünder als im Büro und profitieren von zusätzlicher Zeit für Sport und Schlaf. 6 von 10 Arbeitnehmern sagen laut der Studie “Gesundes Homeoffice”, die Vereinbarkeit von Beruflichem sowie Privatem gelinge wesentlich besser.

Häufig genanntes Problem in Studien zum Homeoffice: fehlender Austausch

Aber genau da, wo die Vorteile stecken, lauern eben auch die Nachteile: Die meisten Menschen arbeiten zu Hause länger als im Büro. Während die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf oftmals ein Vorteil ist, so ist deren Abgrenzung eine der großen Herausforderungen. Wer im Wohnzimmer arbeitet, kann dort abends nicht mehr genauso gut entspannen, da eine klare Trennung von Arbeitszeit und Feierabend nicht möglich ist.

Die Hans Böckler Stiftung hat die Auswirkungen des Zu-Hause-Arbeitens in mehreren Studien untersucht und kommt zu dem Ergebnis, dass entgrenzte Arbeitszeiten problematisch sein können:

“Eng mit dem Thema Homeoffice verknüpft ist oft die Frage nach den Arbeitszeiten: Extrem flexible Arbeitszeiten gehen häufig zulasten der Beschäftigten, zeigt die Studie unserer Expertin für mobiles Arbeiten und Flexibilisierung von Arbeit, Yvonne Lott. Wer im Homeoffice tätig ist, kann abends oft nicht abschalten. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 45 Prozent und damit mehr als doppelt so hoch wie bei Beschäftigten, die nie zu Hause arbeiten.”

Trotz guter Effekte auf die Vereinbarkeit belaste viele Arbeitnehmer die Vermischung von Berufs- und Freizeit.

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Perspektive Mitarbeiter

In Zeiten des Homeoffices erfährt die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz eine zunehmende Bedeutung. Bei der “Digital Perspective ’21” referierte die Unternehmerin Dr. Amelie Wiedemann über die Folgen der Corona-Pandemie für die Beschäftigten.

Thema “Digitale Gesundheit” auf der
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Greenpeace-Studie: Das Arbeitsleben wirkt sich aufs Klima aus

Das Befinden der Arbeitnehmer ist nicht der einzige Aspekt, unter dem sich das Homeoffice in Corona-Zeiten betrachten lässt. Laut einer von Greenpeace und dem ITZ-Institut veröffentlichten Studie wird bei ein oder zwei Homeoffice-Tagen pro Woche der CO2-Ausstoß in Deutschland um bis zu  5,4 Mio. Tonnen pro Jahr gesenkt; das entspricht einem Anteil von 18 Prozent, die durch das Berufs-Pendeln entstehen. Damit gibt es große Potenziale in Hinblick auf Nachhaltigkeit.

Das ist allerdings nur eines von mehreren Szenarien in der Modellrechnung. Nicht zu unterschätzen sind die entstehenden Mehrkosten daheim, z. B. für Strom oder die Ausstattung des Arbeitszimmers. Steuerliche Anreize können den Effekt für besseres Klima erheblich steigern, wenn dadurch Homeoffice attraktiver gemacht wird.

Kontrolle ist gut. Vertrauen ist besser.

Arbeit, Klima, Digitalisierung: Viele Aspekte bestimmen, wie das Arbeiten in der Wohnung bewertet werden kann – nicht nur im Hier und Jetzt, sondern vor allem in der Zeit nach Corona. Was wir schon jetzt an Lehren mitnehmen können: Klare Vereinbarungen helfen, Beschäftigte zufriedener zu stellen. Hierzu gehören zum Beispiel zeitliche Obergrenzen und ein realistisches Arbeitspensum. Vor allem aber sehen wir, welch große Rolle der Aspekt Vertrauen heute hat. Zu diesem Ergebnis kommt die Bertelsmann Stiftung:

“Der Trend zum Arbeiten außerhalb des Büros wird auch die zukünftige Organisation von Arbeitsprozessen erheblich verändern. 44 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich die Führungskultur von Kontrolle hin zu Vertrauen wandeln wird. Das bedeutet besonders für traditionelle und hierarchisch aufgestellte Unternehmen eine gravierende Umstellung, speziell was die Mitarbeiterführung betrifft.”

Praktisch niemand bezweifelt, dass die Lerneffekte der Corona-Pandemie einen nachhaltigen Einfluss auf unsere Arbeitskultur haben werden.

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