19. Juni 2023
Die Digitalisierung transformiert heute Arbeitsablรคufe in einem rasendem Tempo โ und damit auch den gesellschaftlichen Stellenwert von Arbeit. Begriffe wie โEmpowermentโ und โNew Leadershipโ kennzeichnen eine radikale Umgestaltung im Verhรคltnis von Beschรคftigten und Vorgesetzten, vor allem jedoch in Bezug auf die generelle Form der Arbeit. Neue Ansprรผche an den Arbeitsplatz und seine Ausstattung werden formuliert. Die Sinnhaftigkeit von Tรคtigkeiten ist ein Faktor, den Unternehmen mehr und mehr berรผcksichtigen mรผssen. Was hat es mit diesem Konzept der โNew Workโ auf sich? Und welche Vorzรผge und Strukturen bringt der Digital Workplace mit sich?
Mit dem Digital Workplace wird eine vollstรคndig digitalisierte und mobile Arbeitsumgebung bezeichnet. Sie bietet den Beschรคftigten sรคmtliche Instrumente fรผr die flexible, effiziente, vor allem jedoch ortsungebundene Erledigung ihrer Aufgaben. Zugleich gewรคhrleistet der digitale Arbeitsplatz die nahtlose Bereitstellung von Wissensdatenbanken und den schnellen Informationsaustausch รผber die gesamte Organisationsstruktur hinweg. Das Ziel: die betriebswirtschaftlichen Interessen des Unternehmens mit den Anforderungen an eine moderne Arbeitskultur bestmรถglich zu verknรผpfen. Dabei gilt es einerseits, die Kommunikation und Zusammenarbeit unter den Mitarbeitenden zu fรถrdern und hierfรผr die entsprechenden technischen Rahmenbedingungen zu schaffen. Auf der anderen Seite wird das Ziel verfolgt, mit Hilfe digitaler Anwendungen und Services die eigenen internen Geschรคftsprozesse zu optimieren und damit zu einer nachhaltigen Erhรถhung der Wertschรถpfung beizutragen.

Im Zuge des digitalen Kulturwandels sieht sich die Privatwirtschaft heute mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Klassische hierarchische Fรผhrungsmodelle gelten als lรคngst รผberholt. Neue Technologien durchdringen bewรคhrte Berufsfelder und bewirken einen grundlegenden kulturellen und wirtschaftlichen Wandel in fast allen Bereichen. Viele Berufe sind bereits obsolet geworden. Nicht nur das: Die alte Arbeitswelt mit ihrer analogen โFlieรband-Monotonieโ verschwindet zusehends โ und mit ihr jene Patriarch*innen und traditionellen Unternehmerfamilien, die dem konservativen Wertegedanken des Untertanentums aus dem Industriezeitalter verhaftet bleiben.
Doch auch รผber die Digitalisierung hinaus hat sich der Blick auf die Arbeit heute stark gewandelt. Als wesentliches Schlagwort hierfรผr dient โNew Workโ, geprรคgt vom รถsterreichisch-amerikanischen Sozialphilosophen Prof. Dr. Frithjof Bergmann Ende der 1970er Jahre. Bergmanns ursprรผngliche Thesen gingen dabei noch weit รผber das hinaus, was wir heute als Digital Workplace verstehen. Sein Ziel: die Befreiung des Menschen aus der Lohnknechtschaft durch einen Kompromiss aus kapitalistischen und kommunistischen Prinzipien. Bergmann sah beide Strรถmungen als langfristig untragbar und erarbeitete ein Konzept, in der Lohnarbeit, selbststรคndige, erfรผllende Arbeit und weitestgehende Selbstversorgung Hand in Hand gehen wรผrden.
Inspiriert von Bergmanns Lehren versteht man unter New Work heute ein theoretisches Framework fรผr die Neugestaltung des Arbeitsplatzes mit Blick in die Zukunft. Ein Wandel, der sich spรผrbar vollzieht โ und das nicht mehr nur in den techaffinen und innovationsgeprรคgten Startup-Milieus der Silicon Valleys dieser Welt.
Homeoffice, Gleitzeitmodelle und E-Learning-Angebote sind eine fast triviale Auswahl jener Instrumente, mit denen auch etablierte DAX-Konzerne den Sprung in die neue Arbeitswelt wagen. Dazu kommt auch eine moderne Fรผhrungskultur, die das Bestreben der Angestellten nach einer Entfaltung ihrer Potenziale und Kreativitรคt sowie eine positive Work-Life-Balance tatsรคchlich im Blick behรคlt. Flache Hierarchien und gegenseitiges Vertrauen sind hierfรผr unerlรคsslich.
Nicht zuletzt muss der Arbeitsplatz des Einzelnen so beschaffen sein, dass er von den erworbenen Freiheiten bestmรถglich profitieren kann: optimal vernetzt, technisch perfekt ausgestattet und orientiert an den individuellen Anforderungen der Mitarbeiter. Der Digital Workplace ist ein Versprechen dafรผr, dass dies gelingen kann. Und er bietet zudem einige Vorzรผge, die den hohen Investitionsaufwand zu Anfang rechtfertigen.
Zeit- und ortsunabhรคngiges Arbeiten
Remote Work ist so populรคr wie nie. Dank Breitband-Verbindungen, leistungsfรคhiger Laptops sowie Webkonferenz-Anwendungen ist kein Angestellter mehr auf moderne Bรผroausstattung angewiesen. Die befรผrchteten Produktivitรคtseinbuรen durch Homeoffice sind weitestgehend ausgeblieben, wie zahlreiche Studien bestรคtigen. Der mobile Zugriff auf das kollektive Unternehmenswissen kennt keine Zeitzonen oder Bรผroadressen mehr. Wenngleich das digitale Nomadentum kaum mit dem Reiz des kollegialen Austauschs in der Teekรผche oder beim Drucker gleichzusetzen ist โ der Trend ist nicht aufzuhalten.
Abteilungsรผbergreifendes Zusammenarbeiten
Im digitalen Bรผro vereinigen sich alle Kommunikationskanรคle innerhalb einer Plattform. So findet der Austausch รผber Gruppen, Abteilungen und Standorte hinweg mittels Videomessenger-Tools wie Microsoft Teams, Zoom oder Skype statt. Kostenintensive wie klimaschรคdliche Dienstreisen sind zunehmend hinfรคllig. Dazu unterstรผtzen Collaboration-Tools bei der projektspezifischen Zusammenarbeit โ sowohl bei der Zusammenfรผhrung von Informationen aus unterschiedlichen Quellen als auch bei der Festlegung und Verteilung der anfallenden Aufgaben. Viele andere Systeme (ERP, CRM, DMS) bieten das nรผtzliche Handwerkzeug, um den gesamten Lebenszyklus eines Dokuments im Austausch zwischen verschiedenen Stakeholdern im Blick zu behalten. Ohne Wissenssilos und Medienbrรผche.
Effektiveres Arbeiten
Der nachhaltigste Effekt eines digitalisierten Arbeitsplatzes ist die Einsparung von Papier. Redundante Prozesse rund um das Prรผfen, Kopieren, Abheften und Archivieren entfallen. Enterprise Content Management-Lรถsungen unterstรผtzen bei den tรคglichen Recherchen nach spezifischen Informationen und bieten eine spรผrbare Entlastung. Am nachhaltigsten macht sich dieser Umstand vor allem dort bemerkbar, wo Automatisierungen und digitale Prozesse den administrativen Aufwand am stรคrksten reduzieren.
Bevor die ersten รberlegungen zur technischen Ausstattung der neuen Arbeitsplรคtze losgehen, sollte zunรคchst eine Bestandsanalyse stattfinden. Welche Tools existieren bereits? Inwiefern sind diese mit den neuen IT-Lรถsungen innerhalb der technischen Infrastruktur kombinierbar? Wie kohรคrent sind die รnderungen mit den angestrebten Geschรคftszielen? Und wie schafft man Vertrauen seitens der Belegschaft in das neue Equipment?
Gerade der letzte Punkt ist von groรer Bedeutung โ denn mit der Einfรผhrung neuer Geschรคftsanwendungen ist eine besondere Verantwortung verbunden, die Mitarbeiter als potenzielle Anwender hierfรผr zu begeistern. Entsprechend relevant ist eine transparente Informationspolitik innerhalb des Unternehmens zu allen Aspekten des Digitalisierungsprojekts. Ein planvolles Change Management sollte das Projekt permanent begleiten und sowohl die Fรผhrungskrรคfte als auch die unteren Ebenen gleichermaรen kommunikativ einbinden, um die Nutzerakzeptanz zu sichern.
Je nach vorhandener Technikaffinitรคt ist ein entsprechender Schulungsbedarf vonnรถten โ passende Fรถrderangebote und interne Ansprechpartner kรถnnen den Umstieg in die neue digitalisierte Businesswelt deutlich erleichtern. Die Auswahl der digitalen Geschรคftsanwendungen sollte sich zugleich auch an den Erwartungen der Mitarbeiter orientieren. Ihre eigenen Erfahrungen mit leistungsfรคhigen Programmen kรถnnen bei der Evaluation zukรผnftiger Software-Lรถsungen besonders hilfreich sein.
Eine Schlรผsselkomponente bei der Einfรผhrung eines Digital Workplaces ist die Betriebssicherheit. So mรผssen Aspekte wie Datenschutz, Compliance und IT-Security gleich zu Beginn in den Digitalstrategien berรผcksichtigt werden. Denn der Zugriff auf das Unternehmensnetzwerk รผber Mobile Devices, Cloud-Anwendungen und Collaboration-Plattformen erhรถht die Gefahr der Cyberkriminalitรคt, vor allem beim Umgang mit sensiblen Dokumenten und personenbezogenen Daten. Auf Grundlage einer systematischen Analyse der gesamten IT-Infrastruktur sollten mรถgliche Risiken frรผhzeitig geprรผft und beseitigt werden.
Aber es bedarf nicht nur einer umfassenden Security-Strategie gegen Angriffe von auรen โ benรถtigt wird zudem ein Konzept, um auch den Zugriff der Mitarbeiter auf die unternehmenseigenen Datenbanken zu regulieren. So sollten Mitarbeiter je nach Autorisierung einzig auf jene Systembereiche zugreifen kรถnnen, fรผr die ihnen auch entsprechende Nutzerrechte zugewiesen wurden.
Ein Fortschritt hin zum zeitgemรครen Arbeiten? Oder ein globaler Trend und รผberstrapaziertes Buzzword, das nur eine Scheinfreiheit der Mitarbeiter suggeriert? Die Diskussion รผber den Digital Workplace ist so vielschichtig wie das Konzept selbst โ doch in unseren Augen รผberwiegen die Vorteile.
Mehr Transparenz, effizientere Prozesse und kรผrzere Kommunikationswege sind die wichtigsten Faktoren, die Unternehmen fรผr solche Arbeitsmodelle berรผcksichtigen sollten. Dazu braucht es nicht viel: die richtigen Arbeitsmittel, eine agile Fรผhrungskultur und ein wertschรคtzendes Arbeitsumfeld.
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