3D-Darstellung von hohen Gebäuden in einer Stadt, die den Digitalisierungsaspekt der Immobilienwirtschaft veranschaulichen.3D-Darstellung von hohen Gebäuden in einer Stadt, die den Digitalisierungsaspekt der Immobilienwirtschaft veranschaulichen.

27. April 2022

Schleppend voran: Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft

Im Immobiliensektor ist man sich der Notwendigkeit der Digitalisierung längst bewusst. Doch die Branche agiert weiterhin verhalten – und muss aufpassen, dass sie ihrer gesamtwirtschaftlichen Bedeutung auch in Zukunft Rechnung trägt.

Immobilienbranche sucht Fachkräfte

Insgesamt 645 Milliarden Euro betrug die Bruttowertschöpfung der Immobilienwirtschaft in Deutschland im Jahr 2021. Damit liegt sie in der Rangliste noch vor der Automobilindustrie (438 Milliarden Euro) und dem Maschinenbau (256 Milliarden) (Quelle). 800.000 Unternehmen mit insgesamt 3,5 Millionen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten sind im Immobiliensektor tätig. Ungeachtet ihrer enormen Bedeutung für die Volkswirtschaft: Die beeindruckenden Zahlen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Immobilienbranche vor enormen Herausforderungen steht. Eines der größten Probleme ist die stockende Digitalisierung. Ein anderes die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern.

Laut einer aktuellen Personalentwicklungsstudie (“Human Resources Monitor – Immobilienwirtschaft 2022”) des Europäischen Bildungszentrums der Wohnungswirtschaft und Immobilienwirtschaft (EBZ) identifizieren 55 Prozent der befragten Unternehmen den zunehmenden Fachkräftemangel als wesentliches Investitionshemmnis. Dazu kommt der demografische Wandel, der hierzulande zu einem – wie es die Bertelsmann-Stiftung nüchtern formuliert – schleichenden “Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials und der Erwerbspersonenzahl” führen wird. Bis zum Jahr 2030 könnten Deutschland insgesamt fünf Millionen Fachkräfte fehlen.

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Immobilienwirt­schaft und Digitalisierung

Um Spezialist*innen zu gewinnen und in den Unternehmen zu halten, muss sich die Branche verändern. Professionelle Weiterbildungsangebote für die Beschäftigten sowie eine Überarbeitung der bestehenden Führungs- und Teamstrukturen sind dabei nur ein Teil der Lösung. Genauso wichtig sind die Themen Nachhaltigkeit, Diversität und flexible Arbeitsformen.

Und natürlich das Thema Digitalisierung.

Einer Studie von EY Real Estate zufolge sind mehr als 90 Prozent der Befragten der Auffassung, dass die Prozessautomatisierung durch digitale Technologien den Unternehmen in der Immobilienwirtschaft langfristig das Überleben sichern kann. Dabei wird die digitale Transformation von den meisten Studienteilnehmer*innen nicht nur als nützliche Kompensation für den akuten Fachkräftemangel angesehen: Gerade in den Bereichen Rechnungsverarbeitung und Verwaltung des Zahlungsverkehrs seien die Potenziale für die Automatisierung administrativer Abläufe besonders hoch, wie die Studie ergab. Mehr Automatisierung bedeutet zugleich: mehr Ressourcen für wertschöpfende und sinnstiftende Tätigkeiten und in der Folge eine höhere Attraktivität der Unternehmen für Young Professionals. Nicht nur in der Finanzbuchhaltung, sondern auch in anderen Fachabteilungen.

Doch auch wenn Umfragen die Dringlichkeit notwendiger Digitalisierungsmaßnahmen im Immobiliensektor eindrucksvoll belegen: Passiert ist bisher noch nicht viel.

Proptechs zeigen den Weg

In der Gesamtheit fällt die Bilanz recht nüchtern aus. Besonders im Branchenvergleich – so der jüngste “Digitalisierungsindex Mittelstand” im Auftrag der Telekom – platziert sich der Immobiliensektor eher im trüben Mittelfeld. Neue Technologien kommen immer noch zu selten zum Einsatz, langfristige Digitalisierungsstrategien sind die Ausnahme. Dabei sind die Potenziale enorm: Neben der bereits erwähnten Automatisierung von Geschäftsprozessen entfiel besonders auf die Bereiche Property Management und Energiedienstleistungen ein großer Anteil des unausgeschöpften Digitalisierungspotenzials, so die Studienanalyse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young.

Insgesamt betrachtet liegt der Investitionsanteil laut der EY-Studie bei über der Hälfte der befragten Immobilienunternehmen dennoch gerade einmal bei 1 bis 5 Prozent.

Dabei mangelt es nicht unbedingt an digitalen Geschäftsmodellen, wie die florierende Startup-Szene in Deutschland beweist. Junge Proptechs mit Namen wie VillaCircle, Animus, Kleverscreen oder 26 homes adressieren Wohnungssuchende wie Makler*innen und Hauseigentümer mit Produkten und Dienstleistungen rund um die smarte Immobilienvermittlung, -verwaltung und -vermietung. Auf dem Markt verfügbare Lösungen reichen vom “Immobilienrechner für Berater” bis zur Wohnungsvermietung durch KI-gesteuertes Matchmaking. Proptechs sind es auch, die den Digitalisierungswandel in der Branche aktiv vorantreiben: Sie investieren naturgemäß bis zu 62 Prozent ihres Jahresumsatzes in den Ausbau der Digitalisierung.

Die “Alteingesessenen” der Immobilienbranche könnten sich daran durchaus ein Beispiel nehmen.

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