

8. Oktober 2021
Schweinfurt. Zwei Menschen, die sich jeden Tag dafรผr einsetzen, die Arbeit ihrer Kolleginnen und Kollegen digitaler zu gestalten. Wir treffen den stellvertretenden IT-Leiter Christoph Ruppert und den Projektleiter fรผr das Digitalisierungsprogramm Felix Grohmann und erfahren, wohin die Digitalisierungsreise fรผhren wird. Bereits in den ersten Augenblicken wird deutlich, dass der Landkreis Schweinfurt den Fahrplan in Richtung Digitalisierung strategisch konzipiert hat. Das Digitalisierungsprogramm, das gemeinsam mit OPTIMAL SYSTEMS Hannover realisiert wird, umfasst sowohl administrative als auch objektbezogene Teilziele. Dabei spielt vor allem der Mensch als Individuum eine groรe Rolle.
Herr Ruppert, kรถnnen Sie eruieren, warum der Landkreis Schweinfurt sich fรผr OPTIMAL SYSTEMS Hannover entschieden hat?
Ruppert: Unser IT-Leiter Herr Weiร hat damals die Initiative ergriffen und sich intensiver mit Dokumentenยญmanagementยญsystemen befasst. Zwei Entscheidungen standen zur Auswahl: Entweder wir bauen uns eine zusรคtzliche Registratur oder wir schauen uns nach einer digitalen Lรถsung um. Damals wie heute gab und gibt es einen รผberschaubaren Kreis an DMS-Herstellern fรผr die รffentliche Verwaltung. Die Entscheidung fรผr OPTIMAL SYSTEMS grรผndet sich u. a. in der flexiblen Anbindung von verschiedenen Fachverfahren. Mit dem heutigen Wissen und Mitteln wรคre die Einfรผhrung anders verlaufen โ vor allem aus technisch-organisatorischer Sicht. Zu der Zeit wurde viel individuell programmiert.
Herr Grohmann, wie hรคtten Sie die Einfรผhrung mit den Mitteln und dem Wissen von damals gestaltet?
Grohmann: Hintergrund fรผr die Digitalisierungsmaรnahme ist die groรe Altlastsanierung in der Gemeinde Schonungen gewesen โ 2007 haben sich die Grenzen der Papierverwaltung schnell herauskristallisiert. Fรผr die damalige Zeit war dies ein groรer Schritt; aus heutiger Sicht und mit den gรคngigen Mitteln wird deutlich, dass Struktur und Strategie nicht konsequent waren. Es wurde als technisches Projekt eingeordnet, und organisatorische Aspekte wie Prozessbeschreibungen und -optimierungen spielten eine untergeordnete Rolle. Eine Reformation im Sinne der einheitlichen Ablage von Informationen nach einem Schema erlaubt einen noch effizienteren Zugriff auf gewรผnschte Informationen. Dies hat nicht stattgefunden, da keine einheitliche Vorgehensweise bestimmt wurde. Die Festlegung von ausgewรคhlten Indexdatenfeldern, eine konsequentere Schulung der Mitarbeitenden und eine Qualitรคtsprรผfung hรคtten mit dem jetzigen Erfahrungsschatz viel bewirkt. Die digitalen Aktenschrรคnke, die zu der damaligen Zeit entstanden sind, bereinigen wir aktuell und ziehen diese in die ASV hinรผber.
โDie Entscheidung fรผr OPTIMAL SYSTEMS grรผndet sich u. a. in der flexiblen Anbindung von verschiedenen Fachverfahren.โ
Christoph Ruppert, Stellvertretender IT-Leiter, Landkreis Schweinfurt

Haben Sie Organisationsรคnderungen nach oder wรคhrend der Einfรผhrung des ECM-Systems vorgenommen, Herr Grohmann? Wenn ja, welche?
Grohmann: Unsere Reise hat mit dem Papierarbeitsplatz begonnen und sich รผber den Computer-Arbeitsplatz bis hin zum digitalen Arbeitsplatz mit einem Dokumentenmanagementsystem entwickelt. Durch die Einfรผhrung des DMS verรคndern sich Organisationsstrukturen von allein, da das System eine neue Struktur festigt. Ferner werden Organisationsverรคnderungen immer durch Prozesse bestimmt, die wiederum durch strategisch festgelegte Strukturen gelenkt werden. Weitere Verรคnderungen sind beispielsweise unser digitaler Posteingang und der elektronische Rechnungsworkflow in einigen Bereichen, sodass Rechnungen zentral vom Finanzbereich gelenkt werden. Zukรผnftig sehe ich mehr Mรถglichkeiten des Einsatzes von New Work in รffentlichen Verwaltungen, auรerhalb der hierarchischen Organisation.
In welchem zeitlichen und organisatorischen Rahmen erfolgte die Implementierung des Systems, Herr Ruppert?
Ruppert: Nach dem ersten Projekt 2007 wurden weitere Projekte nur rudimentรคr vollzogen. Erst mit der Besetzung von Herrn Grohmann und mir in den Jahren 2017 bzw. 2016 wurde ein geplantes Vorgehen implementiert. Mit Zielen bis Ende 2025 ist die vollstรคndige Realisierung der notwendigen DMS-Projekte festgelegt. Mit unserem technischen Erbe haben wir im Laufe der letzten Jahre viel erweitert und werden mit dem Update auf die Version 10 eine essenzielle Infrastrukturmaรnahme unseres Digitalisierungsprogramms starten. Dies bietet sich an, da wir eine neue Serverlandschaft als Fundament fรผr die nรคchsten Jahre einfรผhren und nutzen mรถchten. Mit dieser geplanten Lรถsung legen wir einen Meilenstein fรผr die Zukunft.

โWir mรถchten unsere Kolleginnen und Kollegen dort abholen, wo sie sich am besten auskennen, an ihrem Arbeitsplatz.โ
Felix Grohmann, Projektleiter fรผr das Digitalisierungsprogramm
Ihr Digitalisierungsprogramm โ kรถnnen Sie uns weitere Einblicke gewรคhren, Herr Grohmann?
Grohmann: In unserem Fรผnfjahresplan ist das DMS ein wesentlicher von fรผnf Bausteinen. Weitere Bestandteile sind Digitale Prozesse wie die OZG-Umsetzung und Digitale Kompetenz/Nutzer*innen im digitalen Wandel, sodass wir unsere Fortbildungs- und Weiterbildungsstrukturen modernisieren und ggf. anpassen kรถnnen. Wir bewegen uns in einem Spannungsfeld mit Bรผrger*innen und weiteren Verwaltungen โ daher fรคllt auch die Einbindung weiterer Stakeholder in unser Digitalisierungsprogramm.
Stichwort weitere Stakeholder: Sie haben ein besonderes Schulungskonzept fรผr Ihre Kolleg*innen konzipiert, Herr Grohmann. Wie fรผhren Sie die Schulungen durch?
Grohmann: Wir mรถchten unsere Kolleginnen und Kollegen dort abholen, wo sie sich am besten auskennen: an ihrem Arbeitsplatz. Wir haben ein Schulungskonzept aufgestellt und รผber die Jahre weiterentwickelt. Es ist uns wichtig, individuell auf die Kenntnisse einzugehen und Hemmnisse gering zu halten. Die Arbeit mit echten Akten aus den Bereichen erlaubt den Einfรผhrungsschulungen praxisnahe Anwendungsmรถglichkeiten. Besonders fรผr diejenigen, die von sich selbst behaupten, technisch nicht affin zu sein, ist es wichtig, das DMS als eine Stรผtze oder Hilfe anzubieten. Wir wollen niemandem etwas aufzwingen, sondern den digitalen Weg gemeinsam gehen. Empathie und Menschsein sind fรผr mich als Dozent von immenser Bedeutung. รngste und Sorgen dรผrfen offen kommuniziert werden, wobei nach Schulungen schnell deutlich wird, dass diese verschwinden und dem Erfolg Raum lassen. Der Abschied von dem Gewohnten ist schwer, aber im Umgang mit dem Papier unvermeidbar.
โDer Abschied von dem Gewohnten ist schwer, aber im Umgang mit dem Papier unvermeidbar.โ Wie realisieren Sie dies, Herr Grohmann?
Grohmann: Wir haben fรผr den Umgang mit enaioยฎ eine Art Wiki erstellt und laden Informationen in Form von geschรผtzten PDF-Dateien hoch. Informationen auf dem Papier veralten und kรถnnen nicht so einfach aktualisiert werden, daher vermeiden wir dieses Medium so gut es geht.
In welchen Bereichen kommen die Lรถsungen von OPTIMAL SYSTEMS zum Einsatz, Herr Ruppert? Wie viele Mitarbeitende arbeiten aktuell mit enaioยฎ?
Ruppert: Wir haben 350 enaioยฎ Client-Lizenzen und 400 angelegte Benutzer. Die Abfallwirtschaft, das Auslรคnderamt, der Bereich Bildung und Teilhabe, die Fรผhrerscheinstelle, die spรคte Belegarchivierung in der Kasse, die Zulassungsstelle, das Medienpool-Tool von OPTIMAL SYSTEMS fรผr die Mediengestaltung, die Personalakte, der Rechnungseingangsworkflow, das Sozialamt, die Wohngeldstelle und die Staatsangehรถrigkeitsbehรถrde sind angebundene Fachverfahren.
Aktuell anstehende, laufende oder geplante Anbindungen von Fachverfahren sind das Ratsinformationssystem, die wasserrechtlichen Anlagen, die Betreuungsstelle, der Formularserver, das Waffen- und Jagdrecht, das Gewerberecht und das Gesundheitsamt. In der Schriftgutverwaltung arbeitet der Arbeitsbereich โAllgemeiner Serviceโ, die Bildungskoordination, das Umweltamt, die Finanzverwaltung, das Gesundheitsamt. Auรerdem haben wir den Zweckverband fรผr Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung, die Gleichstellungsbeauftragten und natรผrlich nicht zu vergessen die IT, die Kreisentwicklung, das Personalamt, den Arbeitsbereich Organisation und den Personalrat angebunden.
Welche Systeme bzw. Software werden an enaioยฎ angebunden, Herr Ruppert?
Ruppert: Unser Digitalisierungsprogramm sieht die Anbindung von knapp 30 Fachverfahren, die wir an das DMS anbinden wollen, vor. Daher erwarten wir eine funktionale Schnittstelle fรผr enaioยฎ. Dies ist eine Softwarevoraussetzung, die wir auch bei Ausschreibungen explizit auflisten.
Was ist Ihre Erfolgsformel? Gewรคhren Sie uns einen Einblick in Ihre Digitalisierungsstrategie, Herr Grohmann?
Grohmann: Mit unserem Digitalisierungsprogramm haben wir ein Leitbild gestaltet, wie unser Landratsamt aussehen soll. Fรผr uns steht der Mensch im Mittelpunkt, und dies ist der Schlรผssel zu unserem Erfolg. Change Management ist unser Schlagwort und nicht zu unterschรคtzen. Wir wollen alle Vorteile der Digitalisierung fรผr uns nutzbar machen.
Herr Ruppert, wie beschreiben Sie die Zusammenarbeit mit OPTIMAL SYSTEMS?
Ruppert: Fรผr uns ist es wichtig, auf Augenhรถhe zu kommunizieren und Lรถsungen im Interesse aller zu finden. Mit OPTIMAL SYSTEMS Hannover haben wir einen Partner gefunden, der dies ermรถglicht und Ziele realisiert. So stehen die Kundenwรผnsche รผber den Verkaufszahlen im Quartal. Wir werden immer darauf hingewiesen, welches Feature sich auf lรคngere Sicht fรผr uns lohnt und beispielsweise auf ein zukรผnftiges Release hingewiesen. Das ist eine sehr ehrliche und respektvolle Kommunikation und Vorgehensweise.
Welche weiteren Chancen der Digitalisierung sehen Sie in Zusammenarbeit mit OPTIMAL SYSTEMS, Herr Grohmann?
Grohmann: In fรผnf Jahren haben wir ein noch stรคrkeres Standing mit digitalen Lรถsungen und werden gemeinsam mit OPTIMAL SYSTEMS unsere Ansprรผche noch hรถher setzen. Aus gegenseitigen und zusammenerlebten Erfahrungen werden wir weiterwachsen kรถnnen. Die Landschaft der รffentlichen Verwaltung ist bis dahin konsequent digitalisiert und hat sich von veralteten Ressentiments verabschiedet.
Vielen Dank fรผr Ihre Zeit. Wir wรผnschen Ihnen beiden alles Gute und freuen uns, Sie weiterhin bei Ihrer Digitalisierungsreise zu begleiten.
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