

21. Februar 2022
von Thomas Seibold
Was macht eine Rechnung zu einer Rechnung? Fรผr den menschlichen Buchhalter erschlieรt sich dies auf den ersten Blick aus den jeweiligen Merkmalen des Dokuments โ doch ein ECM/DMS stand frรผher vor unvergleichlich hรถheren Hรผrden im Rahmen der digitalen Dokumentenverarbeitung.
Heute jedoch kรถnnen Kรผnstliche Intelligenz oder Machine Learning die Trefferquote bei der Dokumentenklassifizierung deutlich erhรถhen โ und einen enormen Automatisierungsschub im unternehmensweiten Dokumentenmanagement liefern.
Laut einer aktuellen Umfrage von Bitkom Research erstellen mittlerweile 4 von 10 Unternehmen elektronische Rechnungen. Sie nutzen bereits die Vorteile, die ihnen die digitale Rechnungsverarbeitung bietet, wie schnellere Prozesse, weniger Fehler und geringere Kosten. Demgegenรผber steht ein hoher Anteil von Unternehmen, in denen โunstrukturierte Rechnungsformate wie die digitale Rechnung im PDF-Format (60 Prozent) oder die Papierrechnung (87 Prozent) noch weit verbreitet sind.โ
Fรผr letztere ist der Briefรถffner wohl der wichtigste Bestandteil der tรคglichen Eingangsrechnungsverarbeitung. Moderne ECM-/DMS-Lรถsungen mit KI-Unterstรผtzung ermรถglichen es Unternehmen nun, solche manuellen Instrumente endlich abzulรถsen und auf eine umfassende Automatisierung durch einen ganzheitlichen digitalen Ansatz zu setzen.
Die Herausforderung bei allen Arten von Dokumenten besteht darin, dass sie richtig kategorisiert werden mรผssen. Dies gilt sowohl fรผr analoge Papierdokumente als auch fรผr โhalbdigitaleโ elektronische PDFs. Wer trifft diese Entscheidung normalerweise? Buchhalter, die damit beauftragt sind, Dokumente zu scannen oder an die entsprechenden Kollegen weiterzuleiten. Sowohl hier als auch im weiteren Verlauf des Prozesses, zum Beispiel bei der รbertragung von Buchhaltungsdaten in andere Systeme, kรถnnen Fehler auftreten. Selbst die in einem Scanner integrierte OCR-Funktionalitรคt bietet keine zuverlรคssige Garantie dafรผr, dass alle Informationen auf Anhieb korrekt aus dem Dokument extrahiert werden kรถnnen.
Content-Services-Plattformen und Informationsmanagement-Anwendungen wie yuuvisยฎ Momentum, die mit Hilfe von maschinellem Lernen Inhalte erkennen und verarbeiten, stellen den nรคchsten Schritt in der Dokumentenklassifikation dar.
Der Begriff โKรผnstliche Intelligenzโ wird in diesem Zusammenhang hรคufig verwendet, ist aber nicht direkt anwendbar. Das liegt daran, dass ein KI-System zunรคchst dumm ist โ die Intelligenz muss erst trainiert werden. Es muss lernen, was eine Rechnung ausmacht. Im Gegensatz zu herkรถmmlichen Dokumentenmanagementsystemen, die anhand von Belegpositionsdaten Informationen รผber Kunde, Lieferant, Rabatt, Mehrwertsteuer, Endsumme usw. erfassen, verfolgen KI-Systeme einen anderen Ansatz. Mittels โNatural Language Processing (NLP)โ wird die natรผrliche Sprache erfasst und รผber Algorithmen verarbeitet.
Die Qualitรคt der Daten, mit denen ein ECM-System mit KI-Unterstรผtzung trainiert wird, ist der entscheidende Faktor fรผr dessen โIntelligenzquotientenโ. Hierfรผr werden die historischen digitalen Rechnungen des Unternehmens verwendet, von denen man weiร, dass sie korrekt sind. Nachdem das System auf diese Weise trainiert wurde, kann es auf neue Dokumente โlosgelassenโ werden.
Durch die Einstellung von Schwellenwerten kann der Sachbearbeiter prรผfen, mit welcher Wahrscheinlichkeit das System erkennt, dass es sich um einen spezifischen Kunden handelt. Ist dieser Schwellenwert bereits entsprechend hoch, ist eine erneute Prรผfung nicht mehr notwendig. Wenn das System beispielsweise davon ausgeht, dass es sich bei dem Beleg zu 99,98 Prozent um eine Rechnung handelt, gibt es kaum Zweifel. Da alle im Beleg erkannten Positionsdaten geschรคtzt und als Prozentwert angezeigt werden, kann der Sachbearbeiter die Validierung Schritt fรผr Schritt durchfรผhren. Die Ergebnisse der menschlichen Bewertung flieรen in das System zurรผck und verbessern die Erkennungsqualitรคt in den folgenden Durchlรคufen.
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