Der Interoperabilitätszyklus: Schneller Zugriff auf relevante Informationen!

Der Interoperabilitätszyklus: Schneller Zugriff auf relevante Informationen!

Mit dem Thema Interoperabilität setzt Gastautor Uwe Porwollik unsere Beitragsserie über die weltweit agierende Initiative IHE Integrating the Healthcare Enterprise fort.  

Im letzten Blogbeitrag wurde beleuchtet, wie die Initiative IHE  die Herstellerneutralität im Gesundheitswesen ermöglicht. IHE-Konformität führt dazu, dass Medizingeräte und gesundheitlich relevante Informationen verarbeitende Software via „Plug and Play“ in medizinische IT-Systeme eingebunden werden können. So zahlreich die Nutzenszenarien für herstellerneutrale Medizingeräte und Software auch sind, basieren alle auf der gleichen Erfolgsformel: Dem schnellen Zugriff auf relevante Informationen! Dieses Ziel erreicht die global operierende Initiative IHE mit Hilfe des Interoperabilitätszyklus. Der Zyklus stellt sicher, dass IHE-konforme und leicht zu integrierende Produkte hergestellt werden. So wird für jeden medizinisch relevanten Prozess ein dezidiertes Profil erstellt, anhand dessen Soft- oder Hardwarehersteller für medizinische Diagnosen oder Behandlungen die Interoperabilität ihrer Produkte sicherstellen. Wie sehen die einzelnen Phasen auf dem Weg zur Interoperabilität aber konkret aus?

IHE Deutschland - Integrating the Healthcare Enterprise

Die Softwarelösungen von OPTIMAL SYSTEMS unterstützen die IHE-Philosophie

Definition von Arbeitsablaufbeschreibungen

Die IHE verfolgt einen prozessgetriebenen Ansatz. Aus diesem Grund sind in der ersten Phase des Interoperabilitätszyklus die Mitglieder gefragt, die sich tagtäglich im medizinischen Alltag bewegen und die vorhandenen Prozesse bestens kennen: Ärzte, Pfleger, Therapeuten und jene, die die administrative und technische Basis der medizinischen Prozesse sicherstellen. Sie beschreiben alle gemeinsam Anwendungsszenarien (Use Cases) und Arbeitsablaufbeschreibungen, in denen medizinische Informationen mittels IT generiert, verarbeitet, gespeichert oder zur Verfügung gestellt werden. Für die Ausformulierung funktionierender medizinischer Prozesse bedarf es einer übergeordneten Prozessstruktur, der IT-Infrastruktur (ITI). Die in der ITI beschriebenen Abläufe bilden die infrastrukturelle Basis für den Austausch von medizinischen Informationen.

Wie zum Beispiel medizinische Dokumente ausgetauscht werden, beschreibt das Profil Cross-Enterprise Document Sharing (XDS). Fundamental, insbesondere unter dem Aspekt des Datenschutzes, ist das Profil Audit Trail and Node Authentication (ATNA). Dort werden Zugriffs- und Authentifizierungsprozesse für Patienteninformation dargestellt. Die eindeutige Erkennung von Patienten erfolgt über das Profil Patient Identifier Cross-Referencing (PIX). Nur wenn ein Arbeitsablauf als eigenständiger Prozess losgelöst von den späteren Produkten beschrieben wird, können universelle IHE-Profile entstehen.

Exemplarisch für die medizinischen Domänen können die folgenden drei Profile benannt werden: Sharing Laboratory Results (XD-LAB) beschreibt, wie Laborwerte geteilt werden. Im Bereich der Pharmazie gibt das Profil Community Medication Prescription and Dispense (CMPD) Auskunft darüber, welche Arbeitsabläufe im Ausstellungs- und Verarbeitungsprozess eines Rezeptes durchgeführt werden. In der Kardiologie bildet das Profil Cardiac Cath Workflow (CATH) die Prozesse für Herzkatheterprozeduren ab und integriert so Anforderung, Disposition, Bilderfassung, Lagerung und Betrachtung von Herzkatheteruntersuchungen.

Grafik: IHE-Interoperabilitätszyklus

IHE-Interoperabilitätszyklus

 

Suche nach den „helfenden“ Standards

In der zweiten Phase sind die Hersteller und Entwickler am Zug. Welche relevanten Standards gibt es im Markt, die für die dargestellten Prozesse genutzt werden können? Unabhängig von der Frage, ob Nachrichten mit den Standards HL7, DICOM, CDA oder anderen übertragen werden, muss definiert werden, wie ein Standard für den jeweiligen Prozess genutzt werden soll. Denn in der Praxis gleicht eine HL7-Nachricht nicht automatisch einer anderen HL7-Nachricht! Die Frage, wie welcher Standard für den jeweiligen Prozess richtig genutzt werden muss, ist nur ein Grundsatz, der im Laufe des Interoperabilitätszyklus definiert werden muss.

Entwicklung von technischen Spezifikationen

In Verbindung mit den Standards werden in der dritten Phase technische Spezifikationen für IT-Systeme beschrieben. Diese stellen sicher, dass die definierten Arbeitsabläufe und Prozesse auch technisch unterstützt werden. Wie muss ein Blutdruckmessgerät, ein Röntgengerät oder ein Magnetresonanztomograph kommunizieren, damit er in einem
x-beliebigen System Informationen mit seiner Umwelt austauschen kann? Die Initiative bemüht sich hier gemeinsam mit den Herstellern um Definitionen für die technischen Voraussetzungen und die Architektur der Geräte.

Software-Tests auf Connectathons und Show Cases

Während die ersten drei Phasen der Produktion von IHE-Profilen (den Regelwerken für Interoperabilität) dienen, wird auf dem Connectathon als Testphase die reibungslose Implementierung und die Anwendung dieser Profile in IHE-konformen Produkten geprüft. Die Wortschöpfung Connectathon setzt sich aus den beiden Wörtern „Connect“ und „Marathon“ zusammen und macht ihrem Namen alle Ehre. Das jährlich stattfindende Event gleicht einer riesigen fünftägigen „LAN-Party“, auf der die Entwickler unter Hochdruck um den Beweis der IHE-Konformität ihrer Produkte ringen. Die Testergebnisse werden transparent in Integrationserklärungen und in einer Produktregistrierung veröffentlicht. Der Lohn für monatelange Entwicklungsarbeit.

Auf internationalen Showcases werden in Phase fünf ganze IHE-Ökosysteme der Öffentlichkeit vorgestellt. In zahlreichen Präsentationen und Schulungen zeigt die Initiative, wie breit das Leistungsspektrum IHE-konformer Produkte ist.

Das Ziel der Mühen: leicht zu integrierende Produkte

Am Ende des Interoperabilitätszyklus stehen in Phase sechs optimaler Weise IHE-konforme Produkte, die sich leicht in einzigartige und über Jahre gewachsene IT-Infrastrukturen in Krankenhäusern und Krankenkassen integrieren lassen. Nutznießer sind einerseits die Patienten, die sich in einer interoperablen Umwelt sicher sein können, dass alle relevanten Informationen bei der Diagnose oder der notwendigen Behandlung vorliegen. Auf der anderen Seite profitiert aber auch das medizinische Personal und die Pflege, die, unabhängig von Schnittstellen und vorhandener Infrastruktur, mit den Geräten und mit der Software arbeiten können, die sie bei ihrer Arbeit optimal unterstützen! Denn Interoperabilität von IT bedeutet nicht einfach nur, analoge Prozesse zu elektrifizieren, sondern Freiräume zu schaffen, die Innovationen in einer sektorenübergreifenden, medizinischen Versorgung ermöglichen.

Im vierten Blogbeitrag erfahren Sie, welche technische Infrastruktur für den IHE-konformen Informationsaustausch notwendig ist: Registry, Repository und Master Patient Index.

Über den Autor:
Uwe Porwollik, Partner eHealth.Business,Vertriebs- und Projekterfolg im Gesundheitswesen.

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