Offline-sein: Die neue Sehnsucht nach Stille und Transparenz

Offline-sein: Die neue Sehnsucht nach Stille und Transparenz

Unsere Welt scheint durch und durch digitalisiert zu sein – aber es gibt sie noch, die offline-Inseln. Beruflich wie privat ist unser Alltag von Digitalisierung und Vernetzung immer stärker geprägt. Autonome Autos, intelligente Maschinen und Social Media-Plattformen begeistern uns. Gleichzeitig weckt der Facebook-Exhibitionismus bei einigen Leuten die Sehnsucht nach ein Raum der Diskretion; die Instragram-Bilderüberflutung führt zu der Wiederentdeckung der Analogfotografie. „In unserer durchdigitalisierten Welt sind immer mehr Menschen auf der Suche nach kreativen, mit den eigenen Händen erzeugten Produkten“, so erklärt Wolfgang Heinen, Herausgeber des Fachmagazins „PhotoKlassik“, warum Analogfotografie immer beliebter wird.

Sehnsucht nach Stille

E-Mail, WhatsApp, Twitter, Facebook, Instagram, und das Telefon, das auch dazu immer noch klingelt, sind nur einen kleinen Teil der heutigen Überangebot an Informationsmöglichkeiten. Diese führt bei manchen zur Reizüberflutung, sinkender Aufmerksamkeit und Frustration – sie soll sogar zu digitalen Demenz führen, weil das Gehirn sich in einem permanenten Stress-Zustand befindet. Deshalb suchen nun Menschen nach Ruhe mitten in der Geräuschkulisse. Hilft das Offline-sein dagegen? Je stärker Megatrends wirken, desto mächtiger werden Gegentrends. Die Beschleunigung provoziert Entschleunigung (s. auch fast food vs. slow food), die Datensammelwut den Datenschutz – und so stärkt die Digitalisierung die Offline-Bewegung. 

Buchcover - Titelbild "Offliner"

Dr. Cachelin (2015): Offliner: Die Gegenkultur der Digitalisierung.

Offliner – Eine Gegenkultur?

Dr. Joel Luc Cachelin beschäftigt sich in seinem Buch „Offliner: Die Gegenkultur der Digitalisierung (2015)“ mit Digitalisierungskritikern. Für Dr. Cachelin geht es allerdings um viel mehr als um die Vermeidung der Reizüberflutung. Neben die bewusste Mediennutzung geht es auch die Datennutzung. Das Buch plädiert für einen bewussten Umgang mit der Digitalisierung. „Ein Offliner beteiligt sich am Design der digitalen Zukunft, in dem er mitentscheidet“. Im Buch werden sechzehn unterschiedliche Menschengruppen beschrieben, die Selbstverständlichkeit der Digitalisierung hinterfragen und auf die Nebenwirkungen aufmerksam machen. Er sieht Offliner als eine Gegenkultur und stellt die Frage, ob und wie sie gesellschaftspolitisch organisieren wird. Eine interessante Lektüre.

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