Wie groß ist der Handlungsbedarf in Sachen Digitale Transformation wirklich?

Wie groß ist der Handlungsbedarf in Sachen Digitale Transformation wirklich?

Nahezu alle Unternehmen scheinen von den Chancen der Digitalisierung (Digitale Transformation) überzeugt zu sein, nur sehr wenige sehen eher die Risiken im Vordergrund. Das zeigt eine Vielzahl an Studien rund um das Thema „Digitaler Wandel“. So sehen beispielweise 97 Prozent befragter Unternehmen aus der Pharma-Industrie (lt. Bitkom) und 91 Prozent der Unternehmen im Bereich industrielle Produktion (lt. McKinsey) Digitalisierung „eher als Chance“. Eine Untersuchung von Deloitte zeigt sogar, dass 88 Prozent der befragten Entscheider einen Zusammenhang zwischen Digitalisierung und Unternehmenserfolg erkennen.

Ist eine Digitalisierungsstrategie vorhanden?

Auch die Bedeutung und Notwendigkeit einer Digitalisierungsstrategie für das eigene Unternehmen ist den Befragten durchaus bewusst. Laut einer Deteconstudie betrachten Unternehmen die Bereiche Innovation & Transformation (74 Prozent), Digital Information Management (72 Prozent) und Digital Process Management (72 Prozent) als wichtigste Handlungsfelder in diesem Zusammenhang. Diese Werte zeigen, dass das Potenzial sinnvoll genutzter Daten erkannt wird und dass Unternehmen sich zunehmend Gedanken über die Automatisierung von Prozessen machen.

Aber: Nur knapp ein Drittel (31 Prozent) der befragten Unternehmen attestiert sich selbst hohe Kenntnisse in diesen Handlungsfeldern und anderen Digitalisierungsthemen. Nur etwa die Hälfte der Unternehmen hat laut BITKOM eine zentrale Strategie für unterschiedliche Aspekte der Digitalisierung.

Digitale Reifeprüfung

Die Studien machen auch auf Defizite der der digitalen Transformation aufmerksam, gerade was die digitale Reife anbetrifft. Viele Unternehmen fangen erst jetzt an, sich konkret mit dem Thema Industrie 4.0 auseinanderzusetzen, obwohl eine überwältigende Mehrheit von den Chancen des digitalen Wandels überzeugt ist. „Vorteile neuer Technologien wie 3-D-Druck, Big Data und Internet der Dinge werden zu oft als Risiko und nicht als Chance gesehen, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen“, sagt etwa McKinsey-Berater Detlef Kayser. Die Studie von Roland Berger bestätigt diese Ansicht: Viele Unternehmen scheinen im Hinblick auf ihre Anstrengungen zur digitalen Transformation falsche Schwerpunkte zu setzen. Sie fokussieren sich auf Effizienzsteigerung und Kostenreduzierung, anstatt auf die Entwicklung neuer Produkte und Kundenschnittstellen.

Zielstellungen digitale Transformation

Kostenreduzierung steht für Unternehmen an erster Stelle bei den Zielstellungen der digitalen Transformation (Quelle: Roland Berger).


Möglichkeiten …

Ist das nicht zu kurz gedacht? Digitale Transformation ermöglicht neben neuen neuen Geschäftsmodelle und neuen Produkten auch eine Differenzierung gegenüber dem Wettbewerb, ein besseres Time-to-Market, mehr Ressourceneffizienz, eine bessere Integration von Produktentwicklung und Fertigung, optimierte Nutzung von Kundendaten und, und, und. Die Möglichkeiten sind je nach Branche unterschiedlich. Unternehmen sollten sich mit den Fragen beschäftigen, ihre Produkte „intelligenter“ zu machen und welchen Nutzen das bringen soll. Ein Maschinenbauer, der seine Produkte mit Sensoren ausstattet (IoT), kann den Betrieb aus der Ferne überwachen und das Produkt verbessern (z. B. ausfallsicherer machen). Mit Technologien aus dem Bereich „Precision Farming“ können Landwirtschaftsbetriebe Felder effizienter bewirtschaften: Der Mähdrescher überprüft die Bodenbeschaffenheit systematisch, übermittelt und wertet die Daten aus und ermittelt den optimalen Zeitpunkt zur Aussaat.

… und Hindernisse

Die für die McKinsey-Studie befragten Unternehmen sehen als größtes Hindernis auf dem Weg zur Industrie 4.0 das Wissen der Mitarbeiter, die Datensicherheit und den fehlende einheitliche Datenstandards. Hays und PAC haben sich in einer aktuellen Studie mit den häufigsten Hürden bei der Umsetzung von digitalen Strategien beschäftigt. Das Ergebnis: Unternehmen werden vor allem durch das Silo- und Konkurrenzdenken ihrer einzelnen Fachbereiche blockiert, vernetztes Handeln wird so verhindert. Zudem beansprucht das Tagesgeschäft zu viel Zeit. Auch die geringe Akzeptanz von Änderungsmaßnahmen bei den Mitarbeitern steht der Transformation im Weg. Hays-Vorstand Christoph Niewerth: „Viele Unternehmen diskutieren zwar über den digitalen Wandel, in der Realität dominiert aber noch die alte Welt mit ihren herkömmlichen Sichtweisen, Methoden und Abläufen.“

Größen Vorteile durch Industrie 4.0 laut ITC

Die größten Vorteile durch Industrie 4.0 sehen Unternehmen in sinkenden Betriebs- und Produktionskosten sowie einer hohen Automatisierung (Quelle: ITC, 2015).


Nichts wie ran!

Das Ziel ist also klar. Prof. Dr. Arnold Weissman, unter anderem Professor für Strategie an der Zürich International Business School meint, deutsche Unternehmen seien gut aufgestellt, aber „nicht mehr vorne dran“. Unternehmen, die zukunftsfähig bleiben wollen, müssen aufholen. „Was heute revolutionär ist, wird morgen Standard: die weitgehende Digitalisierung und Automation der gesamten Wertschöpfungskette, von der Produktidee über die Realisierung bis hin zur Supply Chain. Champions wie Trumpf, Kärcher, Schäfer setzen bereits heute voll auf diese Karte. Doch die Mehrzahl schaut noch erstaunt zu“, so Weissmann. Bundeskanzlerin Angela Merkel ermahnte bereits 2013 Unternehmen, die digitale Transformation mitzugestalten: „Deutschland verfügt traditionell über besondere Stärken in klassischen Industriezweigen. Diese Stärken mit den Chancen der IT-Entwicklungen zu verbinden, bedeutet, gewohnte Standards ins 21. Jahrhundert, ins Zeitalter der Digitalisierung zu übersetzen. Das bedeutet neue Wachstumswege.“ (Eröffnungsrede zu IAA-Eröffnung 2013).


» Interessante Studien zum Stand der Digitalisierung im deutschsprachigen Raum:

» Lesen Sie mehr darüber in ecminside:

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