Theorie jo, Praxis no: digitaler Nachholbedarf bei deutschen Unternehmen

Theorie jo, Praxis no: digitaler Nachholbedarf bei deutschen Unternehmen

Die deutschen Unternehmen drücken in Sachen digitaler Transformation zwar die Schulbank, bei den Hausaufgaben hapert es aber. Das zeigt eine aktuelle Studie der Managementberatung Detecon zum Stand der Digitalisierung im deutschsprachigen Raum.

Die Bedeutung eines digitalen Wandels bzw. einer Digitalisierungsstrategie für das eigene Unternehmen ist den Befragten durchaus bewusst. Als besonders wichtig für den Erfolg werden dabei Anstrengungen in den Handlungsfeldern

  • Innovation & Transformation (74 %)
  • Digital Information Management (72 %)
  • Digital Process Management (72 %)

betrachtet.

Die Bedeutung bestimmter Handlungsfelder der digitalen Transformation wird von dt. Unternehmen sehr unterschiedlich beurteilt. „Innovation & Transformation“ gilt dabei als am wichtigster Einflussfaktor für den eigenen Erfolg. (Quelle: Detecon-Studie „Digital Navigator“)

Die relativ hohen Werte für Digital Information Management und Digital Process Management zeigten, dass das Potenzial sinnvoll genutzter Daten und Informationen erkannt werde. Das betreffe auch den sinnvollen Umgang mit automatisierten, agilen Prozessen, wie sie etwa für das Standardisieren von Arbeitsschritten und Arbeitsprozessen unumgänglich sind (Anm. der Red.).

Digitaler Nachholbedarf

Aber: Es besteht digitaler Nachholbedarf! Nur knapp ein Drittel (31 %) der befragten Unternehmen attestiere sich selbst hohe Kenntnisse zu den sechs abgefragten Handlungsfeldern und anderen Digitalisierungsthemen. Ebenso eklatant: Gerade einmal ein Drittel der Unternehmen habe bisher Fähigkeiten in den Handlungsfeldern der digitalen Transformation so etabliert, dass sie fest in Arbeitsabläufe integriert sind.

Die Autoren der Studie mahnen daher an, den Aufbau von Digitalisierungskenntnissen weiter voranzutreiben, damit die „Chancen der digitalen Transformation für das eigene Unternehmen nicht ungenutzt“ bleiben. Insbesondere auch in Feldern wie Cyber Physcial Systems* (Stichwort Industrie 4.0) und Digital Process Management, bei denen der Erfahrungs- und Umsetzungsstand bisher nur schwach ausgeprägt sei. So sei es bisher nur wenigen Unternehmen gelungen, „Prozesse durch Daten, die während der Ausführung gesammelt werden, zu verbessern und dynamisch an verschiedene Situationen anzupassen.“ Die Folge: weniger Agilität, um kurzfristig handlungsfähig zu bleiben. Daher gelte weiterhin die Maxime: „Modularisieren, Standardisieren, Digitalisieren.“

Die Ergebnisse der Studie im Kurzüberblick:

Allgemein

  • Die Handlungsfelder der digitalen Transformation werden in allen Sektoren als erfolgskritisch betrachtet.
  • Es besteht ein großer Nachholbedarf beim Wissensaufbau und der konkreten Umsetzung.
  • Ein sinnvoller Umgang mit Daten und automatisierte, agile Prozesse sind Teil der Kernwertschöpfung – dabei ist neben neuen Technologien auch der Faktor Mensch erfolgsentscheidend.

Fertigungssektor

  • Die Beherrschung von Risiko- und Vertrauensthemen genießt Priorität für den Erfolg in der digitalen Geschäftswelt.
  • Das Handlungsfeld Cyber Physical Systems wird (trotz Industrie 4.0) selten priorisiert, auch Kenntnisstand und Umsetzung sind hier gering ausgeprägt.
  • Das Wissen über das Management von Wertschöpfungsnetzwerken mit Partnern und Kunden ist – im Vergleich zu anderen Sektoren – stark ausgeprägt, es besteht allerdings erheblicher Optimierungsbedarf bei der konkreten Umsetzung.

Dienstleister

  • Innovations- und Transformationsthemen sind – im Vergleich zu anderen Fertigern und Co. – nur zu einem geringen Grad umgesetzt worden.
  • Fokus liegt meist auf dem Ausbau des Managements von Wertschöpfungsnetzwerken mit Partnern und Kunden in den Bereichen Marketing, Sales und After-Sales sowie auf den Ausbau des digitalen Informationsmanagements über alle Unternehmensbereiche hinweg.

IKT-Sektor

  • Das Management von Wertschöpfungsnetzwerken mit Partnern und Kunden ist vergleichsweise intensiv umgesetzt worden.
  • Innovations- und Transformationsthemen gelten als sehr erfolgskritisch, bei der konkreten Umsetzung bestehe aber Nachholbedarf.
  • Digitales Informationsmanagement wurde bisher wenig intensiv umgesetzt, auch der Kenntnisstand hierüber gilt als eher mittelmäßig.

 

Zur Studie

Für die Studie „Digital Navigator“ befragte Detecon in Zusammenarbeit mit dem SOA Innovation Lab und dem Bitkom 82 Unternehmen aus dem Fertigungs-, dem Dienstleistungs- sowie dem Informations- und Kommunikations-Technologie-Sektor (IKT). Untersucht wurden Handlungsfelder der digitalen Transformation sowie der Stand der Digitalisierung bei den Unternehmen. Als Basis zur Konzeption diente der Digital Navigator, ein auf dem Ansatz des Capability Based Planning aufbauendes Instrument zur Planung und Umsetzung der digitalen Transformation.

Grundlage der Detecon-Studie ist der Digital Navigator (Quelle: Detecon)

Grundlage der Detecon-Studie ist der Digital Navigator (Quelle: Detecon)

Mehr Hintergründe zur Studie „Digital Navigator – Handlungsfelder der digitalen Transformation“

 

* Cyber Physical Systems: vernetzte und mit Sensoren und/oder Aktoren ausgestattete Objekte, die Daten der realen und virtuellen Welt in Echtzeit austauschen. Weitere Infos siehe z. B. Wikipedia.

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