Bahnbrechend oder nur heiße Luft? Die Technologie-Trends 2016

Bahnbrechend oder nur heiße Luft? Die Technologie-Trends 2016

Viele digitale und mobile Technologien haben längst ihren Trendstatus verlassen und gehören quasi zum Alltag. Welche Technologie-Trends 2016 werden sich durchsetzen? Das Gartner Institute hat seine strategischen Trends für das kommende Jahr präsentiert und wir haben sie hier zusammengefasst. Laut Gartner-Vizepräsident David Cearley sollen diese bis 2020 ihren vollen Einfluss entfalten. Einige der Trends, wie der 3D-Druck, hatten es bereits auf die Gartner-Trendliste 2015 geschafft.

 1. Device Mesh

Sie haben nur ein mobiles Endgerät? Bald werden es laut Gartner Institute jede Menge sein, die den mobilen Nutzer zudem auch noch ständig umgeben. Denn die Zahl der Geräte, über die wir an Informationen gelangen oder miteinander kommunizieren, nimmt beständig zu. Die Geräte sind selbst eng vernetzt und kooperieren miteinander. Gartner-Vizepräsident David Cearley: „In the postmobile world the focus shifts to the mobile user who is surrounded by a mesh of devices extending well beyond traditional mobile devices.“

Vom Mobile Device zum Devices Mesh: IoT-Geräte bilden ein kooperierendes Netzwerk, das den Menschen stets umgibt. (Foto: Scanrail , fotolia.de)

Vom Mobile Device zum Devices Mesh: Endgeräte bilden ein kooperierendes Netzwerk, das den Menschen stets umgibt. (Foto: Scanrail , fotolia.de)

2. User Experience lässt sich genauer nutzen

Die Verbreitung der mobilen Endgeräte und das „Internet der Dinge“ (IoT) bedürfen eines neuen Verständnisses für die Nutzererfahrung(en). Der Wechsel zwischen verschiedenen Endgeräten sowie von realer zu virtueller Realität (bsp. Augmented und Virtual Reality) – und umgekehrt – wird fließender und unaufdringlicher. Der User bemerkt sie gar nicht oder kaum. Das setze laut Gartner allerdings ein anderes Oberflächen-Design voraus als heute – Software muss flexibler und „sexyer“ werden – sie muss Spaß machen. Die Anwendungen müssen intuitiv bedienbar sein und dabei die jeweiligen Potenziale der verschiedenen Endgeräte voll ausschöpfen, vom IoT-Sensor über Alltagsgegenstände wie etwa Autos bis hin zu Fabriken (Stichwort: Industrie 4.0)

3. Neue Materialien im 3D-Druck

Der 3D-Druck gehörte schon 2015 zu den Top-Trends. Dieses Mal stehen allerdings die dafür notwendigen Materialien im Vordergrund. Deren Palette wird immer größer– von Karbon über Glas bis hin zu biologischem Material – und könne daher in immer mehr Branchen eingesetzt werden. Das werde bestehende Herstellungs- und Lieferprozesse tiefgreifend ändern. Eine Entwicklung, die noch die nächsten Jahrzehnte bestehen bleibe, so Gartner.

4. Information of Everything

Informationen sind das Gold des digitalen Zeitalters und werden es auch bleiben. Sie aus verschiedensten Datenquellen zusammenzuführen, in geeignete Bahnen zu lenken und entsprechend aufzubereiten, ist die eigentliche Herausforderung. Um die oftmals chaotische Informationsflut zu entschlüsseln, bedarf es geeigneter Strategien und Technologien wie semantische Tools, Klassifizierungs- und Analyseverfahren. Sämtliche Informationsquellen müssen in Unternehmen reibungslos miteinander kommunizieren, denn ein einfacher und stetiger Zugang zu Informationen ist nicht nur wichtig, sondern zunehmend selbstverständlich.

5. Intelligente Maschinen lernen selbständig

Selbstlernende künstliche Systeme sind längst Alltag. Noch allerdings unter Anleitung des Menschen. Künftige „Deep Neural Nets“ (DNN) werden es Maschinen erlauben, eigenständig Erfahrungen zu machen, daraus zu verallgemeinern und dies auf zukünftige Situationen anzuwenden. Was das für Unternehmen bedeutet, weiß auch Gartner nicht genau. Daher die Empfehlung: Findet heraus, wie ihr diesen Fortschritt als Wettbewerbsvorteil für euch nutzen könnt.

Vernetzte Technik spielt in der Zukunft eine noch tragendere Rolle als jetzt. In der Post-App-Ära wird sie sogar zum virtuellen Assistenten des Menschen. (Foto: cherezoff, fotolia.de)

Vernetzte Technik spielt in der Zukunft eine noch tragendere Rolle als jetzt. In der Post-App-Ära wird sie sogar zum virtuellen Assistenten des Menschen. (Foto: cherezoff, fotolia.de)

6. Die App als Kommunikationspartner

Virtuelle Assistenten wie Siri, Cortana oder Google Now sind schon in aller Munde. Bald, so die Analysten, werden wir „nur noch“ mit unseren (teil-)autonomen virtuellen Assistenten sprechen. Menüs, Formulare und Buttons haben dann weitestgehend ausgedient.

In dieser Post-App-Phase werden uns „intelligente Assistenten kontextuelle Informationen und Handlungsmöglichkeiten vermitteln.“ Technologie könne so Menschen entlasten und es ihnen ermöglichen, sich auf Arbeit zu konzentrieren, die wirklich nur von Personen erledigt werden kann. Doch Vorsicht vor Schnellschüssen, so David Clearley: Smarte, intelligente Vermittler seien ein Langzeitphänomen, das „sich im Laufe der nächsten 20 Jahre kontinuierlich verändern und entwickeln wird.“

7. Adaptive Sicherheitssysteme

Neue Technologien, höhere Gefahr: Mit den neuen Möglichkeiten von Cloud-Services, offenen APIs und Co. nehme auch die Bedrohung durch Cyberkriminalität zu. IT-Leader seien daher in der Pflicht, frühzeitig auf Attacken zu reagieren. Zusätzlich würden integrierte Schutzmechanismen immer wichtiger sowie neue Analyseverfahren, die Unregelmäßigkeiten früh erkennen und darauf individuell reagieren können. Also ein adaptives Sicherheitssystem.

8. Neuromorphe Systemarchitekturen

Digital Mesh, intelligente Maschinen, Digitalisierung und mehr bringen einerseits Vorteile für unseren Alltag. Andererseits erfordern sie auch deutlich schnellere und effizientere datenverarbeitende Systeme. Erst dann, so Gartner, seien die entstehenden Technologien wirklich gewinnbringend für Unternehmen.

Besonders wichtig sein daher neuromorphe Computersysteme (ähnlich funktionierend wie das menschliche Gehirn) und flexibel programmierbare Schaltkreise (FPGAs). Beide im Zusammenspiel könnten selbst komplexe Rechenleistungen ausführen, so Deep-Learning-Prozesse ermöglichen und diese selbst auf kleinste IoT-Endgeräte bringen.

Künftige Systemarchitekturen orientieren sich an neuromorphen Strukuren des menschlichen Gehirns. Foto: alphaspirit, fotolia.de)

Künftige Systemarchitekturen orientieren sich an neuromorphen Strukuren des menschlichen Gehirns. Foto: alphaspirit, fotolia.de)

9. Mesh-App- und Service-Architektur

Statt monolithischer Systeme, bspw. Drei-Schichten-Architektur, seien Softwaresysteme, so Gartner, künftig flexibler ausgelegt und dadurch leichter skalierbar und erweiterbar. Entscheidende Treiber dafür: Mikroservices und Container-Systeme. Auf deren Basis könnten Entwickler einzelne Komponenten entwickeln, die in jede einzelne App integriert werden können.

10. Integrationsfähigkeit

Es werden Plattformen gebraucht, die eine übergreifende Steuerung und Sicherung verschiedener Anwendungen ermöglichen. Alle Systeme und Anwendungen müssen mit einander kommunizieren und tief in der IT-Umgebung integriert sein. Das derzeitige Problem bei IoT-Anwendungen: eine fehlende Standardisierung. Verschiedene Hersteller nutzen bisher noch unterschiedlichste Ansätze dafür. Diese Herausforderung gelte es laut Gartner bis 2018 zu lösen.

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *