Neue Herausforderungen im Land der Kobolde

Neue Herausforderungen im Land der Kobolde – eine OPTIMAL SYSTEMS Auszubildende berichtet

Die Möglichkeit eines Berufspraktikums im Ausland hat mich sehr gereizt. Als uns die Berufsschule die Liste mit den möglichen Praktikumsländern vorlegte, war für mich sehr schnell klar, dass ich nach Irland möchte, das Land der Kobolde. Ich wollte unbedingt ein Land wählen, in dem ich noch nicht war, um eine neue Herausforderung zu erleben. Womit ich nicht gerechnet hatte: jeden Tag mit deutschen Firmen zu sprechen.

Auf ins Land der Kobolde

In Zusammenarbeit mit Partnership Europe und dem Leonardo-da-Vinci-Programm ermöglicht unsere Berufsschule Auslandspraktika in Europa, bei denen die Organisation von Wohnung, Praktikumsfirma und Sprachschule übernommen wird. In Cork wurde ich bei meiner Ankunft herzlich von einer Mitarbeiterin von Partnership Europe empfangen und nach einer kurzen Stadtführung und Wohnungserkundung mit einem umfangreichen Infobeutel ausgestattet: SIM-Karte mit Guthaben, Straßenkarten, Reiseführer und Infos zur Umgebung, alles was man für einen perfekten Start in Irland benötigt.

Zur sprachlichen Vorbereitung war ich eine Woche in der örtlichen Sprachschule und konnte in einer internationalen Gruppe Privatunterricht auf hohem Niveau genießen. Neben dem täglichen Sprachkurs wurden auch Debattierabende zu verschiedenen Themen angeboten oder Ausflüge in Museen der Umgebung, die ich gerne genutzt habe, bevor das eigentliche Praktikum dann startete.

Praktikum in der Telefonakquise

Die irische Praktikumsfirma wurde 2008 von einer Gruppe leidenschaftlicher Technologie- und Businessexperten gegründet und ist heute einer der führenden Distributoren hochklassigen Zubehörs für Smartphones, Tablets und anderen mobilen Geräten sowie Unterhaltungselektronik in Irland. Das kleine Unternehmen mit 11 Mitarbeitern ist auf Little-Island, etwa 10 Minuten von Cork im Süden der Insel, stationiert und versucht nach seinen bestehenden Erfolgen in Irland, England und den USA auch die Märkte in Deutschland, Frankreich und Spanien zu erobern.

Leas Arbeitsplatz auf Litte-Island

Lea an ihrem Arbeitsplatz auf Little-Island, etwa 10 Minuten von Cork im Süden der Insel.

Um den Markt eines Landes auszubauen oder gar zu entern, benötigt man internes Wissen. Wer könnte dies also besser vermitteln als Einheimische? Mit diesem Gedanken hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren sehr viele Praktikanten aus ganz Europa aufgenommen. Sie sollen die Recherche des jeweiligen Zielmarktes übernehmen und Händler kontaktieren.

Als deutsche Praktikantin war es meine Aufgabe, den deutschen Markt zu durchdringen – und so die Arbeit der ehemaligen Praktikanten fortzuführen. Ich arbeitete mit einem CRM-System, das alle von den bisherigen Praktikanten recherchierten Kundendaten enthält sowie einen Überblick über die bereits durchgeführten Maßnahmen bietet.

Die ersten Tage des Praktikums waren dem Warenlager gewidmet, um die Produkte näher kennenzulernen und den Prozess des Versandes zu erfahren. Die Produktpalette reicht von wasserfesten Kopfhörern und Ladekabeln, über Hüllen für Smartphones, Tablets, GoPro, bis hin zu Halterungen und Gurten für Körper, Fahrrad und Motorrad, aber auch Solarlampen, wasserfeste Lautsprecher oder Wasserkocher mit Ladefunktion befinden sich im Sortiment. Auch für den kreativen Bereich sind Produkte dabei, wie die Tablet-Stifte mit verschiedenen Aufsätzen und Pinseln, die kostenlose Apps mitliefern, mit denen digitale Bilder erstellt werden können. Nach einigen Info-Veranstaltungen zum Unternehmen, den Produkten und deren Vorzügen kam dann der nächste Schritt: der Kontakt zum Kunden.

Ziel: sich nicht abwimmeln lassen

Drei Wochen lang habe ich also per Skype Händler in Deutschland kontaktiert und versucht, sie als Kunde zu gewinnen. Vor allem vor den Gesprächen kam es auf die Recherche zum jeweiligen Shop an: Welche Produkte sind schon vorhanden, welche Produkte könnte das Unternehmen gut gebrauchen? Diese Vorab-Recherche war dann bei den Gesprächen ausschlaggebend für meine Argumentation.
Die Herausforderung bestand darin, nicht innerhalb von 30 Sekunden vom Empfang vertröstet zu werden mit „Bitte schreiben Sie eine E-Mail“. Ein Satz, den ich selbst schon bei OPTIMAL SYSTEMS bei Lieferantenanfragen angewendet habe. Auch wenn ich Daten oft schriftlich brauche, um Aufträge besser abzuwickeln oder um eine Entscheidungsvorlage für meinen Vorgesetzten vorzubereiten, werde ich nun in Zukunft die Anfragen am Telefon dann wohl doch erstmal ausführlich anhören, bevor ich auf die E-Mail hinweise.

Nach einer Einführung zu guten Verkaufsgesprächen am Telefon folgten die ersten erfolglosen Anrufe. Doch bald kamen dann auch die ersten Telefonate, bei denen die Person am anderen Ende wirklich Interesse zu haben schien. Nach Hunderten von Anrufen hat man dann auch den Dreh raus, mit welcher Technik oder welchen Stichworten man weitergeleitet wird und welche Argumente erfolgreich sind.

Da Mitarbeiter ohne vorherige Budgetgespräche und Absegnungen „von oben“ meistens nicht spontan Bestellungen oder Investitionen tätigen können, werden die Erfolge der eigenen Telefonate erst Wochen später sichtbar, wenn endlich ein Auftrag eingeht. Unser zuständiger Ansprechpartner im Praktikumsbetrieb hat uns Praktikanten von Anfang an darauf vorbereitet und war stets motivierend und immer darauf bedacht uns zu weiteren Anrufen zu pushen.

Auf Nachfrage bei den Kollegen bestand auch immer die Möglichkeit, Ihnen bei Ihren Aufgaben über die Schulter zu schauen und bestimmte Prozesse kennenzulernen. Unsere Erfahrung mit den Produkten hat uns dann auch die Möglichkeit gegeben, einen Newsletter auf Deutsch zu erstellen sowie an weiteren Marketingmaßnahmen mitzuarbeiten.

Je mehr ich mit den vorhandenen Software-Anwendungen in Cork gearbeitet habe, umso mehr wurde mir bewusst, wie fortgeschritten die Ressourcen und die Ausstattung der Arbeitsplätze bei OPTIMAL SYSTEMS sind. Veraltete Programmversionen (z. B. von OpenOffice) oder fehlende geeignete Business-Software, die man sich im Arbeitsalltag eigentlich nicht mehr wegdenken kann, haben es mir während des Praktikums erschwert meine Aufgaben durchzuführen.

Kobold im Schaufenster

An jeder Ecke zu finden: die berühmt berüchtigsten irischen Kobolde

Das Leben im Land der Kobolde: Cork

Da das Praktikum in der Winterzeit stattfand, hat man die Nebensaison direkt miterlebt und den starken Kontrast zu Berlin umso mehr gesehen. Innerhalb der Woche war es sehr ruhig in Cork, die Pubs und Straßen sind leer. Umso voller ist es dann zwischen Donnerstag und Sonntag, wenn alle Einwohner Corks, vor allem die Frauen, aus ihren Löchern schlüpfen und durch sehr hohe Schuhe, viel Schminke und wenig Kleidung auffallen. Dass die Bevölkerung in UK und Irland bei Kälte eher unempfindsam ist, war ja allgemein schon bekannt, aber wie das auch bei Minusgraden ohne Erfrierungen möglich sein kann, ist mir unbegreiflich.

Das irische Volk ist mir als eines der freundlichsten begegnet. Zu jeder Gelegenheit grüßt man, auch völlig Fremde, und versucht ein Gespräch anzufangen oder zu erfahren, woher man kommt. Pubs und irische Bands sind abends nicht wegzudenken und auch nicht die Vielzahl an verschiedenen heimischen Biersorten. Erstaunt war ich, dass man auch in jedem noch so kleinen Pub gezapftes Becks bekommen konnte. Die Deutschen sind dann (leider) doch überall wiederzufinden!

Landschaftidylle auf der grünen insel

Die grüne Insel begeisterte auch mit tollen Seen inmitten der hügeligen Waldlandschaft.

Klippen, Meer, Wind

Auf Landschaftsschau in den Azubiwochen

Atemberaubend: die irische Landschaft. Immer eine Reise wert.

Während meines Aufenthalts in Irland habe ich jede freie Minute genutzt, um so viel wie möglich vom Land zu sehen. Besonders an der Südküste Irlands sind sehr viele kleine Fischerdörfchen, die sehenswert sind. Egal wo man sich an der Küste befindet, alle 2 Meter hatte man das Gefühl ein noch besseres Foto schießen zu können. Klippen, Meer und Wind!

Besonders im Gedächtnis bleibt Blarney Castle, ein riesiges Gebiet mit Wiesen und Wäldern und einer kleinen noch übrig gebliebenen Ruine. Dort gibt es die Tradition, dass man die Hauptwand der Ruine küssen muss, um Eloquenz zu erlangen. Der Akt findet allerdings kopfüber, halb auf dem Rücken liegend statt, sodass jeder eine top Figur abgibt während dieses Kusses. Verdrängen sollte man dabei den Fakt, dass etwa 200 Menschen jeden Tag diese Stelle küssen.

Große Erinnerungen bleiben auch an den Ring of Kerry. Die 170 km lange Strecke in Kerry im Südwesten Irlands ist zu Recht eine der beliebtesten Routen der grünen Insel. Da ich außerhalb der Saison dort war, war es ruhig und man hatte keine anderen Touristen auf den Fotos. Eine atemberaubende Landschaft, die sehr an Neuseeland erinnert. Innerhalb dieser Tour erlebt man wettertechnisch alles was man je gesehen hat im 20-Minuten-Takt. Sehr schön stelle ich mir die Strecke im Sommer mit dem Rad vor, wenn man die Natur hautnah erlebt.

Zu schnell sind die 4 Wochen im Land der Kobolde vergangen. Zurück ins Büro und in die Schule ging ich natürlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Worauf ich mich am meisten freute? Das eigene Bett 🙂 Was ich am meisten vermissen werde? Die Musik, die Menschen, das saftige Grün.

Nachtrag: Zurück in Berlin empfingen mich diverse deutsche TV-Sender mit Reisewerbung für Irland, in der nochmal die besten Aussichtspunkte gezeigt werden, um das Fernweh immer wieder zurückzuholen.

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