Auslandspraktikum Istanbul – meine Vorbereitungen

Auslandspraktikum Istanbul – meine Vorbereitungen

Von Susanna Goetze

In ein paar Tagen ist es so weit und mein Abenteuer in Istanbul kann beginnen! Und ich bin schon ganz hibbelig…! Vollkommen begeistert war ich, als ich von der Möglichkeit erfuhr, ein von der Berufsschule organisiertes Stipendium für ein Auslandspraktikum zu erhalten. Das Angebot war so einmalig, dass ich es unmöglich nicht hätte wahrnehmen wollen. Zur Auswahl standen verschiedene Städte in Europa. Mein Favorit war von Anfang an Istanbul, da ich die Herausforderung einfach liebe und ich glaube, dass dort wunderbar viele neue Erfahrungen auf mich warten…

Auslandspraktikum Instabul: meine Vorbereitungen

Die einzige Hürde wäre gewesen, sich die Erlaubnis für die vierwöchige Pause beim Betrieb zu holen, aber das war hier kein Problem – für das Praktikum haben ich und meine Mitschülerin Mandy, die für diese Zeit für ein Auslandspraktikum nach Kopenhagen geht, sogar volle Unterstützung bekommen. Natürlich nicht ganz ohne eine Auflage,  aber gute Noten in der Schule und das erfolgreiche Abschließen eines Projektes waren Voraussetzungen, die sich leicht erfüllen ließen.

Ich kann mein Glück kaum fassen, denn ehrlich gesagt: ich war zu Beginn etwas skeptisch und gewissermaßen noch unentschlossen, ob ich mich nicht doch lieber auf einen Studienplatz bewerben sollte. Allerdings waren die ersten paar Wochen der Ausbildung bei OPTIMAL SYSTEMS mit so vielen positive Überraschungen und Erfahrungen vollgepackt, dass mit die Entscheidung leicht fiel, die Ausbildung als Mediengestalterin zu absolvieren. Mir macht das praxisnahe Lernen einfach Spaß und das Arbeitsumfeld ist ideal, denn es wird viel Wert darauf gelegt, dass ich als Azubi an meinen Aufgaben wachse und mich aktiv in das Unternehmen einbringen kann – und nun ist sogar mit kaum mehr als einem Fingerschnippen ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen!

Bald geht es los. Vier Wochen allein in Istanbul – eine Woche Sprachkurs und drei Wochen Praktikum in einem türkischen Buchverlag. Ich bin wirklich mehr als gespannt!

Auslandspraktikum Instabul: Abreise und Ankunft

Istanbul bei Nacht

Wunderschön: Mein Auslandspraktkum Istanbul hatte auch bei Nacht viel zu bieten.

Auch wenn ich bis gestern nur voller Vorfreude und noch nicht aufgeregt war – diese Nacht hat mich dir Nervosität doch gepackt und ich konnte nur sehr schlecht schlafen. Der Weg zum Flughafen war eine einzige Tortur, da ich mir einfach nicht sicher sein konnte, alles Wichtige erledigt und dabei zu haben. Doch alles lief glatt. Mit fast einer Stunde Verspätung landeten wir Istanbul, wo ich von meiner Betreuerin Filiz abgeholt wurde.  Zum Glück kann sie sehr gut deutsch sprechen, denn meine Türkischkenntnisse gehen noch nicht wesentlich über ein paar einfache Wörter hinaus. Mit Bus und Taxi ging es dann zu der Wohnung, die direkt gegenüber einer schönen alten Mosche und Wand an Zaum mit der riesigen Kaserne Istanbuls lag. Lachend meinte Filiz „Das ist der sicherste Ort in ganz Istanbul!“ Die Wohnung gehört einer netten jungen Frau, Emine, und mein Zimmer  ist zwar winzig, aber nett eingerichtet, mit Blick auf die Minarette der alten Moschee.

Inzwischen war es draußen dunkel geworden, aber Zeit zum Verschnaufen war noch lange nicht, denn es ging sofort mit Filiz wieder los, in das (gerade am Wochenende) sehr lebhafte Viertel Kadiköy, wo sich eine der Fähranlegestellen befindet. Filiz zeigte mir eine bei den Einheimischen sehr beliebte Einkaufsstraße, aber ich konnte nur einen Bruchteil von all dem aufnehmen, was sich mir an Eindrücken darbot. Die Gassen waren vollgestopft von Menschen, überschallt von ausgelassenen Gesprächen und Gelächter, die Lokale und Läden mit ihren Waren hell erleuchtet, jeder Meter brachte neue Gerüche mit sich, von Speisen, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Es war einfach überwältigend,. Aber so sehr es mir gefiel und mich die Neugier trieb, baldn müsste ich Filiz biten, mich zur Wohnung zurückzubringen, da ich inzwischen sehr erschöpft war. Sie erklärte mir noch auf dem Weg, wie ich in Istanbul von A nach B kommen kann und dann war der Tag endlich zu ende,  und ich fiel nur noch in mein Bett und damit in tiefen Schlaf.

Auslandspraktikum Instabul: ab ins kalte Wasser

Gestern Abend noch, als meine Betreuerin Filiz und ich uns für heute verabredeten, beschloss ich, selbst ins kalte Wasser zu springen und mich nicht von ihr abholen zu lassen, sondern allein zum Treffpunkt zu fahren. Kurz verfluchte ich mich beim Zähneputzen für diese Entscheidung. Während es draußen in Strömen regnete, stellte ich mit einem Blick auf die Karte erstaunt fest, dass ich mir alles ziemlich genau gemerkt hatte, was Filiz mir alles erklärt hatte. Also zog ich los, zuerst mit dem typischen „Dolmuş“, (einem Sammeltaxi) zur Fähranlegestelle, dann mit der Fähre über den Bosporus, wobei sich mir ein überwältigender Blick auf beide Seiten der Stadt bot und schließlich noch ein Stück mit der Straßenbahn. In allen Fällen galt für mich: Gucken, wie es die Istanbuler tun und nachmachen. Ich fand auch tatsächlich problemlos zum verabredeten Ort, wo Filiz mich freudestrahlend begrüßte und lobte, dass ich es geschafft hatte, mich allein durch die Gegend zu schlagen, was andere ihrer Schützlinge bisher sich erst nach einer Woche trauten. Natürlich triumphierte ich innerlich und konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Wir erledigten ein paar Dinge bezüglich der Sprachkurse und dann hatte ich Zeit, mich mal allein in einem der nördlicheren Stadtviertel der asiatischen Seite umzuschauen.

alte Baukunst in Istanbul

Sehr beeindruckend: alte Baukunst in Istanbul

Ich streunte durch ein paar Straßen und fand ein Café, das um einen 800 Jahre alten Baum entstanden ist und nutzte die Gelegenheit um den berühmten türkischen Çay zu probieren. Er war lange nicht so bitter, wie ich vermutet hatte und so konnte ich ihn sogar ohne Zucker genießen. Besonders in ihren Bann gezogen haben mich gleich die alten osmanischen und inzwischen unter Denkmalschutz stehenden Holzhäuser, die hin und wieder als Zeugen früherer Zeiten zwischen den verschachtelten Betonbauten auftauchen. Da sie zwar nicht abgerissen werden dürfen, aber die Restaurierung so viel Geld und die Einhaltung etlicher Auflagen erfordert, verfallen die meisten einfach und erinnern mit ihren klaffenden Fenstern und verwachsenen Vorgärten seltsam romanisch an Geisterhäuser. Nachmittags wieder zurück in der Wohnung zeigte mir Emine, wie man türkischen Kahve kocht, der meine sich anbahnende Müdigkeit sofort wieder verscheuchte, sodass ich bereit war für eine erste Lektion türkisch. Und so versuchten wir den restlichen Abend lang, so viel wie möglich Türkisch zu sprechen, sodass ich meinen Wortschatz vergrößern konnte.

Auslandspraktikum Instabul: überwältigende Welten

Über den Dächern thronten die Minarette und Kuppeln der Blauen Mosche und der gewaltigen Hagia Sophia und ich konnte es kaum erwarten, diese Monumente von nahem zu betrachten. Doch zuerst sollte mich der Weg durch den ägyptischen Basar führen, einem endlosen Gestrüpp aus Gassen, in dem die Stadtbewohner sich mit den Touristen vermischen und sich geschäftig an abertausenden kleinen Lädchen und ihren Auslagen vorbeidrängen. Stand ich eben noch am Ufer des Marmarameers, die Weite genießend, hatte ich das Gefühl, unerwartet von dem bunten Treiben in den Gassen verschluckt worden zu sein, sodass ich nach einigen Minuten in eine weniger belebte Seitenstraße flüchtete um einmal tief durchatmen zu können. Erst dann konnte ich meinen Weg fortsetzen. Neben mir tauchte der Eingang zu einem der beliebtesten Parks Istanbuls auf. Der Gülhane Park, licht mit Bäumen bestückt, die sich über die kleinen saftig grünen Hügel verteilen und mit elegant angelegten Beeten, bot mir die perfekte Gelegenheit, kurz auszuruhen. Ich stellte erstaunt fest, dass sich in den Baumkronen sogar Papageien tummelten und nahm mir vor, mich bei Gelegenheit genauer über sie zu erkunden.

Auf die Sprachschule habe ich mich besonders gefreut. Neue Sprachen zu lernen ist fast ein kleines Hobby von mir. Sie faszinieren mich und es macht einfach unheimlichen Spaß, sie nach und nach begreifen und anwenden zu können. Aber ich dachte mir gleich, dass das Türkische eine harte Nuss werden würde, da dessen Grammatik, wie ich schon im Voraus nachforschte, sich einfach vollkommen von dem Großteil der  europäischen Sprachen unterscheidet. Aber davon wollte ich nicht unterkriegen lassen!

»Und nun war es soweit. Der erste Tag des Praktikums stand an.