Simulationsstudie Ersetzendes Scannen Teil 2 – Wie wurde simuliert?

Simulationsstudie Ersetzendes Scannen Teil 2 – Wie wurde simuliert?

Das Thema der Simulation Ersetzendes Scannen ist mir nicht ganz fremd. Zu Studienzeiten habe ich auf dem Rechner Röntgenstrahl-Streuprofile berechnet und visualisiert. Später habe ich Geschäftsprozesse grafisch modelliert und simuliert, für den Fall, dass Mengen und Verzweigungswahrscheinlichkeiten geändert werden. Dieses Mal durfte ich im realen Leben erfahren, was es heißt, Streitfälle vor einem simulierten Gericht durchzuexerzieren.

Simulationsstudie zum Ersetzenden Scannen 29./ 30.10.2013 bei DATEV eG in Nuernberg

Simuliertes Gericht in den Räumen der DATEV. Mit dem Rücken zum Fenster der Richter, links von ihm der Rechtsanwalt des Klägers und rechts von ihm die Anwältin der Beklagten. Und meine Wenigkeit etwas tiefer sitzend vor dem Richter und auf seine Fragen zu Integrität des Beweisdokumentes und zur Authentizität des Signierers antwortend.

Fortsetzung des Artikels Worum ging es?

Bevor ich über meine eigenen Erkenntnisse, die ich aus den beiden Tagen gewinnen konnte, schreibe, möchte ich dem geneigten Leser kurz die Infrastruktur sowie die Abläufe der Simulation schildern.

Infrastruktur der Veranstaltung

Die fachlich-inhaltlichen Strukturen wurden von Mitarbeitern der DATEV sowie dem Team von Prof. Roßnagel erarbeitet. So wurden insgesamt vierzehn Streitfälle, aufgeteilt auf das Zivilgericht sowie das Finanzgericht, konstruiert. Dabei ist immer ein ersetzend gescanntes Dokument als Beweismittel vom Kläger oder Beklagten vorgetragen worden. Die konstruierten Fälle sind den beteiligten, professionellen Richtern und Anwälten wenige Wochen vor dem Termin bekannt gegeben worden, so dass sie sich entsprechend vorbereiten konnten.

In den DATEV-Räumen standen entsprechend zwei Gerichtssäle zur Verfügung, in denen jeweils sieben Fälle in zwei Tagen von den Profis durchexerziert wurden. Beobachtet wurde das Schauspiel nicht nur von den begleitenden Wissenschaftlern und den DATEV-Mitarbeitern. Geladen waren auch weitere Interessierte aus Behörden und der Wirtschaft, so dass sich insgesamt ca. 75 Teilnehmer einen Eindruck verschaffen konnten, welchen Stellenwert gescannte Dokumente in einem Gerichtsverfahren haben.

Ablauf der Verhandlungen

Die Richter und die Rechtsanwälte (in Vertretung des Klägers und der Beklagten) erschienen in ihren typischen Roben. Der Ablauf der Verhandlung folgte nahe den üblichen Zeremonien in den Gerichtssälen, inkl. Diktat ins Aufnahmegerät. Zur Klärung der Authentizität und Integrität der vorgelegten elektronischen Dokumente wurde ich als Sachverständiger einbestellt. Dazu habe ich über Laptop und Beamer das Vorgehen der Verifikation sowie die Interpretation der Prüfberichte der verwendeten Software vorgestellt. Zudem bin ich auf weitere Fragen im Kontext der Technischen Richtlinie ResiScan des BSI eingegangen.

In einigen Fällen bekam einer der Anwälte weiteres Material an die Hand, das die Sachlage zu seinen Gunsten verschob, so dass sowohl Richter, Anwälte und Sachverständige „kreativ“ werden mussten bzw. ihre Strategie entsprechend anpassen mussten.

Nach dem Ende der Verhandlung konnte das Publikum an alle Beteiligten Fragen stellen. Mit teils sehr wertvollen Erkenntnissen. So kamen viele Aspekte aus den unterschiedlichen Blickwinkeln nochmals auf den Tisch, besonders der der Wirtschaftlichkeit.

Auswertung auf die Schnelle

Einen ersten kurzen Einblick in die Ergebnisse gab es am Ende des zweiten Tages. Prof. Roßnagel hielt fest, dass in allen Streitfällen die elektronischen Dokumente als Beweis anerkannt wurden. In allen Fällen war der Zeitpunkt des Scannens ein Knackpunkt – insbesondere dann, wenn Scan und Betrugsversucht dicht zusammenlagen. Hier kamen jene Systeme besser weg, die nicht im direkten Zugriff der Parteien lagen. Also die, bei denen die Systemzeit des Scan-System durch diese nicht manipuliert werden konnten. Die Verwendung eines qualifizierten Zeitstempels, der in allen Fällen nicht zum Einsatz kam, hätte nochmals Unsicherheiten vermindert.

Jetzt geht das Team von Prof. Roßnagel ins stille Kämmerlein und wertet die Protokolle aus, wird weiteren Fragestellungen nachgehen und am Ende wird es vermutlich wieder ein Studienbuch geben. Wir dürfen gespannt sein.

Meine und weitere Erkenntnisse

Und da ich schon wieder mehr getextet habe als es einem optimalen Blog-Artikel geziemt, muss ich um einen weiteren, aber versprochen letzten Klick bitten:

Zu Teil 1: Worum ging es?

Zu Teil 3: Das Fazit

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